Wir fordern eine grundlegende Änderung der Kriterien zur Notengebung im Unterrichtsfach Sport an weiterführenden Schulen in Baden-Württembergs. Dies betrifft vor allem Sportarten, welche nicht ohne die Zugehörigkeit zu einer Sportvereinigung problemlos von jedem einzelnen Schüler bzw. jeder einzelnen Schülerin trainiert werden können. Dazu gehören beispielsweise Kugelstoßen, Speerwerfen, Weitsprung, Hochsprung oder diverse Mannschaftssportarten.
In diesen Sportdisziplinen sollten die momentan angewendeten Notentabellen zur Leistungsbewertung, deutlich entschärft werden und zudem der Wille zur Leistung stärker bei der Notengebung einbezogen werden. Zusätzlich sollte jedem*jeder Schüler*in die Wahl gelassen werden sich im Sportunterricht benoten zu lassen.
Also weg von utopischen Maßstäben, hin zu einem Bewertungssystem, welchem der Wille zur Leistung und realistische Leistungsziele zu Grunde liegen!
Begründung:
Im aktuellen Bildungsplan wird die übergeordnete Zielsetzung des Schulsports als „Erwerb individueller Handlungskompetenz im Kontext von Bewegung, Spiel und Sport“ beschrieben. Dem Erwerb von neuen Handlungskompetenzen liegt jedoch die kompetente und individuelle Anleitung durch eine Person von Fach (in diesem Fall die Lehrkraft), über einen längeren Zeitraum zu Grunde. Diese fachgerechte Anleitung und der damit verbundene Lernprozess sollten dann zu einer Leistungssteigerung führen, welche die hohen, momentan geltenden Bewertungskriterien rechtfertigen würden.
Die Realität an baden-württembergischen Gymnasien gibt jedoch zumeist ein komplett anderes Bild ab. Oft ist diekompetente Anleitung beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe durch die Lehrkraft nicht möglich., weder in der Gruppe, noch auf individueller Ebene. Weiterhin befasst man sich mit einer Disziplin, wie beispielsweise dem Kugelstoßen oder dem Hochsprung, meist nur wenige Unterrichtsstunden, bevor es zu einer Bewertung der Schülerleistung kommt.
Den SchülerInnen wird also häufig von vornherein die Möglichkeit genommen, sich neue Fertigkeiten anzueignen und die eigene Technik zu verbessern. In der Konsequenz findet ein Lernprozess, sowie eine Leistungssteigerung nur in sehr beschränktem Maße statt, was unserer Meinung nach keine Rechtfertigung für solch hohe Maßstäbe ist, wie sie momentan geltend sind.
Weiterhin sehen wir es als Aufgabe des Sportunterrichts an, den Schüler zu motivieren, selbstständig in seiner Freizeit sportlichen Aktivitäten nachzugehen und Freude an neuen Sportdisziplinen zu finden. Dieser Prozess wird vor allem bei leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern, durch die übermäßig leistungsbetonte Notengebung im Keim erstickt. Als vorbeugende Maßnahme sollte der Wille zur Leistung stärkeren Einfluss auf die Notengebung ausüben, um so auch leistungsschwache Schüler langfristig zu motivieren, sportlichen Aktivitäten nachzugehen, was längerfristig zu einer Leistungssteigerung ihrerseits führen wird.
Quelle: http://bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents/lsbw/export-pdf/ALLG/GYM/SPO/bildungsplan_ALLG_GYM_SPO.pdf auf S. 7
