„Arbeit demokratisch denken“ – dieses Motto ist mehr als nur eine Floskel. Es ist
unser politischer Anspruch und inhaltlicher Kompass für das kommende Arbeitsjahr.
Denn Arbeit ist weit mehr als Erwerbstätigkeit: Sie prägt unser Leben, unseren
Alltag, unser Selbstverständnis – und ist zugleich ein zentraler Ort
gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Wer arbeitet wie viel, unter welchen
Bedingungen, mit welchem Lohn, mit welcher Sicherheit – all das ist nicht zufällig,
sondern politisch gemacht. Deshalb sagen wir: Arbeit muss demokratisch gestaltet
werden – durch Mitbestimmung, Gerechtigkeit und echte Teilhabe.
Gerade in Zeiten der ökonomischen Umbrüche, in denen Digitalisierung, Klimakrise und
soziale Spaltung den Arbeitsmarkt verändern, ist es entscheidend, dass junge Menschen
sich eine selbstbewusste Stimme in dieser Debatte nehmen. Für uns bedeutet „Arbeit
demokratisch denken“, die Machtfrage zu stellen – im Betrieb, im Bildungssystem und
in der Gesellschaft. Es bedeutet, sich für starke Tarifverträge, gute
Ausbildungsbedingungen, faire Löhne und sichere Perspektiven einzusetzen. Es bedeutet
auch, nicht nur auf die Erwerbsarbeit zu schauen, sondern Care-Arbeit, Ehrenamt und
unbezahlte Arbeit mitzudenken. Und es heißt, Ausgrenzung und Diskriminierung in der
Arbeitswelt entschlossen zu bekämpfen – für eine Arbeitswelt, in der alle Menschen
mitreden und mitentscheiden können.
Für unseren Verband ist dieses Thema deshalb so zentral, weil es unmittelbar an die
Lebensrealität vieler junger Menschen anknüpft – ob in Schule, Ausbildung, Studium,
Nebenjob oder im Berufseinstieg. Wir wollen politische Räume schaffen, in denen
Arbeit nicht als Belastung, sondern als gestaltbarer Teil einer solidarischen
Gesellschaft gedacht wird. Und wir wollen diesen Anspruch in die Öffentlichkeit
tragen – laut, klar und mit Haltung.
Im kommenden Arbeitsjahr stehen in Baden-Württemberg die Landtagswahlen an – ein
zentraler Moment, in dem wir als Jusos Baden-Württemberg nicht nur präsent sein,
sondern aktiv die inhaltliche Themensetzung mitgestalten wollen. Unser Leitthema
„Arbeit demokratisch denken“ bietet dabei die Chance, eine klare, soziale Perspektive
in den Wahlkampf einzubringen und ihn entscheidend mitzuprägen.
Gerade im wirtschaftsstarken Baden-Württemberg wird in den kommenden Jahren
entschieden, wie die wirtschaftliche Transformation – ob Digitalisierung,
Automatisierung oder ökologische Umstellung – gestaltet wird. Wir stellen die Frage,
auf wessen Rücken dieser Wandel ausgetragen wird: Werden wieder einmal junge
Menschen, Beschäftigte mit unsicheren Verträgen und Menschen in prekären Lebenslagen
die Hauptlast tragen? Oder gelingt es uns, die Transformation gerecht, solidarisch
und mit echter demokratischer Teilhabe zu gestalten? Gemeinsam werden wir die Antwort
auf diese dringenden Fragen finden.
Mit „Arbeit demokratisch denken“ setzen wir einen inhaltlichen Anker, der die
sozialen und wirtschaftlichen Fragen der Zukunft miteinander verbindet. Wir wollen
deutlich machen: Es
reicht nicht, nur über Innovation, Wettbewerbsfähigkeit oder Standortpolitik zu
sprechen – im Zentrum muss stehen, wie Menschen arbeiten, leben und mitentscheiden
können. Unser Thema hat das Potenzial, der Dreh- und Angelpunkt einer linken,
sozialen Erzählung im Wahlkampf zu werden – und wir werden alles daran setzen, diese
Erzählung laut, sichtbar und wirksam zu machen.
Veranstaltungen
Im kommenden Arbeitsjahr wollen wir als Jusos Baden-Württemberg mit einer Reihe
bedeutender Veranstaltungen unsere inhaltliche Arbeit stärken und den politischen
Austausch weiter vorantreiben. Besonders hervorzuheben ist dabei der Bundeskongress,
der nach fast 40 Jahren endlich wieder in Baden-Württemberg – genauer gesagt in
Mannheim – stattfinden wird. Darüber hinaus planen wir mit der Juso-Wahlkampfhütte
zur Landtagswahl eine motivierende Mitmachaktion, die junge Menschen für progressive
Politik begeistert und die Mitglieder unseres Verbandes auf den kommenden Wahlkampf
vorbereiten soll. Mit der Politikwerkstatt und dem Zukunftskongress schaffen wir
Räume für strategische Diskussionen und neue Ideen, während der Europakongress die
internationale Dimension unserer Arbeit in den Mittelpunkt stellt.
Im kommenden Arbeitsjahr wollen wir einen Kommunalgipfel organisieren. Ziel der
Veranstaltung ist es, die kommunale Ebene als wichtigen Ort politischer Gestaltung
sichtbarer zu machen und jungen Menschen Lust auf kommunalpolitisches Engagement zu
machen. Dabei wollen wir zeigen, was auf kommunaler Ebene konkret verändert werden
kann. Der Gipfel soll außerdem Raum für Austausch und Vernetzung bieten: Zwischen
jungen Mandatsträger*innen, solche, die es werden wollen, und alle, die sich für
Kommunalpolitik interessieren. Gemeinsam wollen wir diskutieren, lernen und
Perspektiven entwickeln – für starke, linke Kommunalpolitik vor Ort.
Landtagswahl 2026
Im Landtagswahlkampf 2026 wollen wir Jusos Baden-Württemberg eine sichtbare,
eigenständige und politische Rolle spielen. Für uns ist klar: Diese Wahl wird kein
Selbstläufer. Ohne starke, engagierte Jusos wird es nicht gelingen, einen
erfolgreichen Wahlkampf zu führen. Wir nehmen diese Herausforderung an.
Wir stellen deshalb eine eigene, kreative und inhaltlich klare Juso-Kampagne auf die
Beine. Mit Haltung, Mut und einer jungen Sprache wollen wir zeigen, dass es eine
andere Politik braucht – sozial, gerecht und zukunftsorientiert. Wir setzen dabei
gezielt auf Themen, die viele junge Menschen betreffen: bezahlbares Wohnen, gute
Bildung, faire Arbeit, konsequente Klimagerechtigkeit und echte Beteiligung. Das
alles wollen wir nicht nur als Schlagwörter auf Plakaten, sondern als konkrete
Forderungen im Wahlkampf vertreten. Bei der Ideenfindung für die Kampagne werden alle
Mitglieder niedrigschwellig miteinbezogen, etwa durch Umfragen, Messenger-Gruppen
oder offene Orga-Teams.
Ein zentraler Baustein wird ein eigenständig erarbeitetes Jugendwahlprogramm sein.
Für uns ist es mehr als nur ein Programmpapier: Es ist unser politischer Kompass für
diesen Wahlkampf.
Gleichzeitig machen wir deutlich: Wer unsere Energie, unsere Reichweite und unsere
Beteiligung will, muss auch unsere Inhalte ernst nehmen. Wir kämpfen dafür, dass
unsere Positionen ins Wahlprogramm der SPD einfließen – nicht als Fußnote, sondern
als sichtbarer Teil sozialdemokratischer Politik in Baden-Württemberg.
Zahlreiche Juso-Kandidierende treten an und zeigen, dass jung sein und Verantwortung
übernehmen kein Widerspruch ist. Wir stehen an ihrer Seite und unterstützen sie vor
Ort, in der politischen Kommunikation und mit klarer Rückendeckung. Wir wissen: Wenn
die SPD in die Landesregierung will, dann braucht sie starke Jusos – inhaltlich,
organisatorisch und sichtbar.
Diese Wahl entscheidet auch darüber, ob junge Menschen mit ihren Anliegen politisch
gehört werden. Wir werden alles dafür tun, dass unsere Stimme zählt.
Die Jusos Baden-Württemberg verstehen den Wahlkampf als gemeinsame, koordinierte
Kraftanstrengung, in der sie als sichtbare, progressive Jugendorganisation auftreten.
Geplant sind kreative Leuchtturmprojekte, politische Aktionen im öffentlichen Raum
und gezielte Unterstützung unserer Juso-Kandidierenden. Der Landesverband soll
frühzeitig durch Wahlkampfcamps, dezentrale Schulungen und Awareness-Konzepte
vorbereitet werden – professionell, solidarisch und strukturiert. Ziel ist es,
Inhalte sichtbar zu machen, politisch relevante Themen aufzugreifen und den Wahlkampf
gemeinsam, entschlossen und mit klarer Haltung zu gestalten. Denn: Unser Moment ist
jetzt – und wir wollen ihn nutzen.
Unser Angebot an die Kreisverbände
Die Kreisverbände sind das Herzstück unserer Arbeit und der Motor unseres Verbandes –
hier entstehen Engagement, politische Bildung und konkrete Veränderungen vor Ort. Um
diese zentrale Rolle zu stärken, wollen wir als Landesverband die Strukturen in den
Kreisverbänden gezielt unterstützen und ausbauen. Dazu gehören praxisnahe Angebote
zur Mitgliedergewinnung und -aktivierung, Hilfestellungen bei organisatorischen
Fragen sowie Formate zum Austausch untereinander. Wir setzen uns dafür ein, die
Sichtbarkeit der Kreisverbände zu erhöhen und ihre politische Schlagkraft zu stärken
– denn nur mit starken Strukturen vor Ort können wir als Jusos gemeinsam etwas
bewegen.
Dabei verlieren wir die besonderen Bedingungen der Kreisverbände in ländlichen
Regionen nicht aus dem Blick. Mit einem Mentoring-Modell für schwächere Kreisverbände
sowie einer Austauschplattform „Land“ schaffen wir partnerschaftliche Unterstützung
auf Augenhöhe und stärken ihre Stimme auf Landesebene. Wir fördern damit den
gegenseitigen Austausch von Erfahrungen und Ideen und verbessern die Zusammenarbeit
über Kreisgrenzen hinweg. Gemeinsam schaffen wir eine stabile Basis, die unsere
Arbeit langfristig festigt.
Durch gut vernetzte und handlungsfähige Kreisverbände erhöhen wir auch den Einfluss
der Jusos innerhalb der SPD. Wo wir präsent, organisiert und schlagkräftig sind,
können wir unsere Themen selbstbewusst einbringen und Entscheidungen auf Augenhöhe
mitgestalten – sowohl in kommunalen Gremien als auch in der Partei insgesamt. Starke
Kreisverbände bedeuten daher nicht nur mehr lokale Wirkung, sondern auch mehr
Mitspracherecht auf allen Ebenen.
Wir wollen die Kreisverbände stärker in die Arbeit des Landesverbands einbinden und
ihnen mehr Raum zur Mitgestaltung geben. Eine lebendige und schlagkräftige Juso-
Organisation lebt von einer aktiven Basis – deshalb ist es uns wichtig, dass
Entscheidungen nicht nur „von oben“ getroffen werden, sondern gemeinsam mit den
Kreisverbänden und Aktiven vor Ort. Über die Kreisvorsitzendenkonferenz wollen wir es
schaffen, dass Ideen und Rückmeldungen aus den Gliederungen gehört, diskutiert und
ernst genommen werden. Unser Ziel ist eine demokratische, offene und
bewegungsorientierte Landesorganisation, in der sich alle einbringen können – nicht
nur auf dem Papier, sondern ganz konkret in politischen Prozessen und inhaltlichen
Entscheidungen.
Der Landesvorstand erarbeitet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Gründung von
Ringen politischer Jugend (RPJ), um Kreisverbände ohne bestehende Strukturen zu
unterstützen. Unsere Regiobetreuer*innen werden dafür gezielt geschult und stehen
beratend zur Seite.
Bildungsangebote
Bildung ist für uns kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung für
wirksames politisches Handeln. Um unsere inhaltliche Schärfe und organisatorische
Schlagkraft in der Fläche zu stärken, wollen wir die Bildungsarbeit im Verband
gezielt ausbauen. Dafür werden
die stellvertretenden Landesvorsitzenden künftig thematische Seminare für unsere
Kreisverbände anbieten.
Diese Seminare sollen sowohl inhaltliche Fragestellungen – etwa zu demokratischem
Sozialismus, Feminismus, Klassenanalyse oder Antifaschismus – als auch strukturelle
und organisatorische Themen abdecken, etwa Mitgliedergewinnung, Kampagnenplanung oder
Verbandsaufbau. Jeder Kreisverband kann diese Angebote „buchen“ und ein
entsprechendes Format vor Ort organisieren. Die stellvertretenden Landesvorsitzenden
übernehmen dann die Durchführung direkt im Kreisverband.
Als erste Ansprechperson für die Regionen ist weiterhin die Regiobetreuer*in
zuständig.
So schaffen wir ein flexibles, niedrigschwelliges Bildungsangebot, das Wissen
vermittelt, Austausch fördert und unsere politische Handlungsfähigkeit vor Ort
stärkt. Auf Landesveranstaltungen soll ein von der neuen U20-Vernetzung erarbeitetes
Minderjährigenschutzkonzept vorliegen, welches unter anderem:
-
- Wenn es organisatorisch möglich ist, eine neue Zimmeraufteilung in Voll-
und Minderjährig für mehrtätige Veranstaltung beinhaltet - Dezidierte, in der Nähe der Minderjährigenzimmer platzierte
Vertrauenspersonen bestimmt - Der Landesverband wirkt darauf hin, dass Abendverantsaltungen für alle
Altersgruppen angeboten werden. Geschieht das nicht, sollen alternative
Abendveranstaltungen speziell für minderjährige Teilnehmende angeboten
werden - Lange Anreisen erleichtert
- Wenn es organisatorisch möglich ist, eine neue Zimmeraufteilung in Voll-
Kampf gegen Rechts
Die politische Lage in Deutschland und Baden-Württemberg ist zutiefst
besorgniserregend. Rechte und rechtsextreme Kräfte befinden sich im Aufwind, Hetze
und menschenverachtende Rhetorik werden immer lauter, und autoritäre Denkweisen
dringen zunehmend in die Mitte der Gesellschaft vor. Was früher undenkbar schien,
wird heute offen ausgesprochen – in Parlamenten, auf der Straße und in den sozialen
Medien. Auch in Baden-Württemberg beobachten wir mit großer Sorge, wie sich rechte
Strukturen im ländlichen Raum verfestigen, kommunale Mandate gewinnen und gezielt
versuchen, die Zivilgesellschaft einzuschüchtern. Gleichzeitig wird rechte Gewalt
weiter verharmlost, während Betroffene von Rassismus, Antisemitismus,
Queerfeindlichkeit und Sexismus immer stärker unter Druck geraten.
In dieser Situation ist klar: Es braucht nicht nur Empörung, sondern entschlossenen
Widerstand. Als Jusos übernehmen wir Verantwortung und stellen uns dieser Entwicklung
mit aller Kraft entgegen. Wir verstehen uns als konsequent antifaschistische Kraft
und kämpfen auf allen Ebenen gegen rechte Hetze, Diskriminierung und autoritäre
Politikansätze. Doch unser Kampf geht über reine Abwehr hinaus – wir wollen
Gegenentwürfe schaffen. Wir wollen Räume für Aufklärung, Solidarität und politische
Bildung bieten, in denen Menschen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern
miteinander stark gemacht werden.
Rechte Kräfte profitieren davon, wenn soziale Ungleichheit wächst und Menschen sich
allein gelassen fühlen. Sie bieten einfache Antworten auf komplexe Probleme – doch
ihre Antworten führen zu Ausgrenzung, Spaltung und Unfreiheit. Wir hingegen sagen:
Der eigentliche Konflikt in unserer Gesellschaft ist kein horizontaler, bei dem
Menschen innerhalb ihrer Klasse, Herkunft oder Lebensrealität gegeneinander
ausgespielt werden. Der wahre Kampf verläuft vertikal – von unten gegen oben. Gegen
ein System, das Reichtum ungleich verteilt, Macht konzentriert und soziale Spaltung
vertieft. Wer wirklich etwas gegen Unsicherheit, Armut und Perspektivlosigkeit tun
will, muss die Verhältnisse angreifen, nicht die Menschen.
Daher ist der Kampf gegen Rechts für uns immer auch ein Kampf für soziale
Gerechtigkeit, für Teilhabe und für eine Gesellschaft, in der alle Menschen frei und
sicher leben können. Wir setzen auf Aufklärung statt Angstmache, Solidarität statt
Spaltung, Gerechtigkeit statt Hass. Und wir machen klar: Der Rechtsruck ist kein
Naturgesetz – er ist politisch gemacht, und er kann politisch gestoppt werden. Dafür
stehen wir als Jusos – laut, entschlossen und solidarisch.
Wirksamer Antifaschismus erfordert vor allem eine gute Organisation durch kompetente,
gut vorbereitete und breit vernetzte Antifaschist*innen. Deswegen wird der
Landesvorstand den Kreisverbänden ein praxisnahes Workshopkonzept für Aktionen gegen
Rechts anbieten, damit auch spontane Demonstrationen schnell und mit möglichst wenig
Aufwand durchführbar sind. Nach dem Workshop verfügt der Kreisverband über ein
gemeinsam entwickeltes Kampagnendesign, welches flexibel anwendbar ist, wenn
politische Ereignisse schnelles Handeln erfordern.
Queerfeminismus
Wir Jusos stehen für eine queerfeministische Politik, die bestehende
Machtverhältnisse hinterfragt und gerechter gestalten will – auch innerhalb unseres
eigenen Verbands. Noch immer sind politische Räume oft von patriarchalen Strukturen
geprägt, in denen insbesondere FINTA-Personen (Frauen, inter, nicht-binäre, trans und
agender Personen) weniger sichtbar sind, häufiger unterbrochen werden oder sich nicht
sicher fühlen, ihre Perspektiven einzubringen. Das wollen wir ändern.
Unser Ziel ist es, eine echte und gleichberechtigte Teilhabe von FINTAs im Verband zu
ermöglichen. Dazu gehört, gezielt Vernetzungsmöglichkeiten zu schaffen, Räume für
geschützte Aussprachen zu bieten und Strukturen zu stärken, in denen FINTAs nicht nur
mitgestalten, sondern sich wirklich wohl und empowernd aufgehoben fühlen können. Denn
feministische Politik beginnt nicht erst auf dem Podium – sie beginnt in der Art, wie
wir miteinander sprechen, zuhören, diskutieren und entscheiden.
Durch den weiteren Ausbau unserer FINTA-Vernetzung wollen wir FINTA-Personen im
Verband gezielt empowern und ihnen Räume bieten, in denen sie sich sicher
austauschen, organisieren und gegenseitig stärken können. Ein wichtiger Schritt auf
diesem Weg ist für uns auch die erneute Durchführung einer FINTA-Antragswerkstatt zur
nächsten Landesdelegiertenkonferenz. Sie soll FINTAs darin bestärken, eigene
politische Inhalte einzubringen und ihre Perspektiven sichtbar im Verband zu
verankern.
Wir wollen den Ausbau von FINTA*-Vernetzungsstrukturen auf regionaler Ebene, um
insbesondere Kreisverbände zu unterstützen, die bislang keine eigenen Veranstaltungen
für FINTA*-Personen anbieten können. Die bestehende landesweite FINTA*-Vernetzung
soll weiterentwickelt und zu einem strukturierten Mentoringprogramm ausgebaut werden,
das gezielt Empowerment und Austausch fördert. Wir dürfen jedoch nicht beim eigenen
Verband stehen bleiben: Wir müssen unsere feministischen Forderungen offensiv in die
gesellschaftliche Debatte tragen. Für die kommende Landtagswahl fordern wir daher
einen feministischen Kampagnenschwerpunkt. Um feministische Inhalte stärker sichtbar
zu machen, wollen wir außerdem Bündnisse mit anderen progressiven Organisationen und
Parteien schließen.
Ein queerfeministischer Verband bedeutet aber auch: Männer müssen sich mit ihren
eigenen Rollen auseinandersetzen. Wir setzen uns deshalb für eine Kultur der
kritischen Männlichkeit ein, in der männlich gelesene Personen lernen, ihre eigenen
Privilegien zu reflektieren, Verantwortung zu übernehmen und nicht zuletzt
solidarisch feministische Kämpfe zu unterstützen, ohne Räume zu dominieren. Dafür
muss auf mind. einer großen Landesveranstaltung im Jahr ein Kritische-
Männlichkeitsplenum stattfinden.
In Baden-Württemberg finden immer mehr CSDs und Veranstaltungen zum IDAHOBIT statt,
vor allem auch in kleineren Orten. Als Jusos BW werden wir hier konsequent
unterstützen und unsere Solidarität zeigen. Wir wollen dazu beitragen, Betroffenen
einen sicheren Raum für Entfaltung und den Kampf für ihre Rechte zu bieten. Beim
größten CSD im Land in Stuttgart werden wir uns aktiv beteiligen und für die Belange
queerer Menschen Flagge zeigen.
Wir wollen als Jusos ein Verband sein, in dem sich alle Menschen – unabhängig von
Geschlecht, sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität – sicher, gesehen
und gestärkt fühlen. Ein Ort, an dem Vielfalt nicht nur toleriert, sondern gefeiert
wird. Und ein
Verband, in dem politische Arbeit empowernd ist – nicht erschöpfend. Queerfeminismus
ist für uns kein Randthema, sondern ein zentrales Element unserer politischen Praxis.
BIPoC-Vernetzung
Die Anliegen von BIPoCs – Black People, Indigenous People and People of Colour –
nehmen wir als Verband ernst. BIPoCs gehören zu gesellschaftlich marginalisierten
Gruppen, die häufig mit strukturellen Barrieren konfrontiert sind, auch in der
politischen Partizipation. Dies spiegelt sich unter anderem in ihrer unzureichenden
Repräsentation in politischen Gremien wider.
Wir erkennen darin einen klaren Handlungsauftrag für unseren Verband: Wir möchten
gezielt BIPoC-Mitglieder unterstützen, vernetzen und in ihrem politischen Engagement
stärken.
Ab dem Arbeitsjahr 2025/26 wird daher mindestens einmal jährlich ein spezifisches
BIPoC-Vernetzungsformat im Verband umgesetzt. Dieses Format soll Workshops, Seminare
und gemeinsame Antragserarbeitungen beinhalten, um jungen BIPoCs den Einstieg in
politisches Engagement zu erleichtern und sie nachhaltig zu ermutigen, sich
einzubringen.
Langfristig streben wir außerdem an, innerhalb des Awareness-Teams eine
Ansprechperson zu etablieren, die sich explizit mit den spezifischen
Herausforderungen und Diskriminierungserfahrungen von BIPoCs befasst. Dies soll einen
zusätzlichen Beitrag zu einer diskriminierungssensiblen und solidarischen
Verbandskultur leisten.
Unser Ziel ist ein Verband, in dem BIPoC nicht nur Platz finden, sondern sich sicher,
gehört und gestärkt fühlen können. Ein Verband, in dem ihre Erfahrungen nicht
marginalisiert, sondern ernst genommen und aktiv einbezogen werden. Die BIPoC-
Vernetzung ist für uns daher kein Zusatzangebot, sondern ein zentraler Bestandteil
unseres Anspruchs, ein gerechter, solidarischer und empowernder Raum für alle zu
sein.
Öffentlichkeitsarbeit
Um als Jusos Baden-Württemberg nachhaltig sichtbar, anschlussfähig und politisch
wirksam zu sein, braucht es mehr als spontane Posts und gute Ideen – es braucht klare
Strukturen, professionelle Prozesse und ein starkes Team. Deshalb setzen wir uns zum
Ziel, ein schlagkräftiges Öffentlichkeits-Team aufzubauen, das mit einer festen
Arbeitsweise, klarer Aufgabenverteilung und einer strategisch durchdachten Planung
arbeitet. Dieser strukturelle Aufbau ist der Schlüssel, um kontinuierlich
hochwertigen Content zu erstellen, der nicht nur informiert, sondern unsere
politischen Botschaften wirksam in die Öffentlichkeit trägt.
Das neue Team wird gemeinsam eine verbindliche Content-Strategie entwickeln,
redaktionelle Abläufe etablieren und sich als kreativer wie politisch denkender Motor
unserer Außenkommunikation verstehen. Die Arbeitslast wird auf viele Schultern
verteilt, um dauerhaft aktiv und reaktionsfähig zu bleiben – auch in intensiven
politischen Phasen.
Das Team muss außerdem die Repräsentation der vielfältigen Stimmen und Perspektiven
unseres Verbandes sicherstellen und soll dafür gezielt unseren FINTA* und BIPoC eine
Plattform für Sichtbarkeit bieten. Die Jusos Baden-Württemberg müssen endlich auch
auf TikTok aktiv vertreten sein, weshalb das Team hier eine Präsenz aufbauen soll.
Social Media muss sozial gedacht werden. Das Team soll daher Kontakt zu Partner*innen
wie unseren Abgeordneten, politischen Vorfeldorganisationen und anderen
Jugendparteien zum Ziel der gemeinsamen Content-Erstellung aufbauen und halten.
Unser Anspruch ist dabei hoch: Wir wollen nicht nur unsere Mitglieder erreichen,
sondern gezielt auch Menschen außerhalb unserer politischen Blase ansprechen. Unsere
Öffentlichkeitsarbeit soll relevant sein, Debatten mitgestalten, neue Zielgruppen
erreichen
und den Verband als progressive, moderne und handlungsfähige Kraft positionieren. Mit
dem strukturierten Aufbau eines professionellen Öffentlichkeits-Teams legen wir den
Grundstein dafür, dass unsere Inhalte Wirkung entfalten – nicht im Stillen, sondern
laut, sichtbar und weit über unsere eigenen Reihen hinaus.
Die Öffentlichkeitsarbeit der Jusos Baden-Württemberg soll strategisch
weiterentwickelt und professionalisiert werden. Ziel ist es, nicht länger nur auf
politische Schlagzeilen zu reagieren, sondern Debatten aktiv mitzugestalten und
eigene Themen sichtbar zu machen. Dazu braucht es ein langfristiges Konzept mit
klaren Kommunikationsschwerpunkten, einem Jahresplan sowie kreativen und modernen
Formaten. Neben klassischen Pressewegen sollen auch neue, emotionale Aktionsformen
genutzt werden, um politische Inhalte in die Öffentlichkeit zu tragen und spürbar zu
machen. Öffentlichkeitsarbeit soll dabei als strategische Säule unseres politischen
Handelns verstanden und strukturell gestärkt werden – mit einem aktiven Presseteam
und Raum für kreative Beteiligung vor Ort. So schaffen wir es, als junge, linke
Stimme im Land dauerhaft präsent und wirksam zu sein.
Bündnisarbeit
Gerade in Zeiten des gesellschaftlichen Rechtsrucks und wachsender sozialer Spaltung
ist klar: Linke Organisationen dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen –
wir müssen zusammenstehen. Als Jusos Baden-Württemberg wollen wir unsere
Bündnisarbeit intensivieren und ausbauen. Wir sehen uns als Teil einer breiten,
solidarischen Bewegung, die sich für soziale Gerechtigkeit, Demokratie und eine
offene Gesellschaft stark macht. Dieser Anspruch verpflichtet uns dazu, aktiv auf
Bündnispartner*innen zuzugehen, verlässlich an ihrer Seite zu stehen und gemeinsame
Kämpfe zu führen.
Besonders wichtig ist uns dabei, das Vertrauen der Gewerkschaften gegenüber unserem
Verband weiter zu stärken. Die Interessen von Arbeitnehmer*innen, von Auszubildenden,
Studierenden und prekär Beschäftigten sind auch unsere Interessen. Umso wichtiger ist
es, dass wir als Jusos nicht nur mit gewerkschaftlicher Rhetorik auftreten, sondern
durch tatsächliche Zusammenarbeit, Präsenz und Verbindlichkeit zeigen, dass wir
verlässliche Partner*innen im gemeinsamen Kampf für bessere Arbeits- und
Lebensbedingungen sind.
Ob mit Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Initiativen, migrantischen
Selbstorganisationen oder anderen linken Jugendverbänden – wir wollen feste Netzwerke
schaffen, gegenseitige Unterstützung stärken und politische Kämpfe gemeinsam führen.
Denn wir wissen: Die Brandmauer gegen Rechts steht nicht allein in Parlamenten – sie
wird in der Gesellschaft gebaut. Und wir bauen sie Seite an Seite mit all jenen, die
sich für eine solidarische, gerechte und antifaschistische Zukunft einsetzen.
Um erfolgreiche Bündnisarbeit zu machen, braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme,
um gemeinsam mit unseren Bündnispartner*innen die Bedingungen unserer Zusammenarbeit
neu zu definieren. Deshalb soll es in Zukunft Vernetzungstreffen mit einer Reihe von
Bündnispartner*innen geben, um den aktuellen Zustand unserer Bündnisarbeit zu
evaluieren.
Um Bündnisarbeit für Kreisverbände einfacher zu machen, soll der Landesvorstand ein
„How To Bündnisarbeit“ erarbeiten, also einen Leitfaden mit Tipps und
Erfahrungswerten, der den Einstieg erleichtert. Außerdem soll eine übersichtliche
Liste erstellt werden, in welcher mögliche Bündnispartner*innen, die uns politisch
nahestehen, gesammelt sind.
sich für eine solidarische, gerechte und antifaschistische Zukunft einsetzen.
Unsere Bündnisarbeit muss aber auch neue Bereiche entwickeln: Eine Vernetzung mit
anderen Landesjugendverbänden aus Sport, Musik, Kultur und Religion bereichert
unseren Verband und schärft unser inhaltliches Profil. Damit können wir junges
Ehrenamt mehr und besser in den Blick nehmen.
Eine bessere Vernetzung müssen wir auch mit unseren Juso-Kommunalos schaffen, welche
die Grundlage unserer inhaltlichen Arbeit zu kommunalen Themen werden soll. Gemeinsam
wollen wir dadurch einen ersten Aufschlag für die Vision einer jungsozialistischen
Kommunalpolitik machen. Unser Ziel ist es, mehr junge Menschen und mehr Jusos für die
Kommunalpolitik zu begeistern und sie dabei konsequent zu unterstützen.
Unser Verhältnis zum Sozialismus
Wir Jusos Baden-Württemberg streiten für eine Gesellschaft, in der Freiheit,
Gerechtigkeit und Solidarität nicht nur Versprechen sind, sondern Realität. Unsere
Vision ist eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Diskriminierung –
eine Gesellschaft, in der alle Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können.
Diese Vorstellung verbinden wir mit dem Ziel eines demokratischen Sozialismus.
Dabei ist uns bewusst, dass der Begriff Sozialismus historisch belastet ist. Seine
Geschichte ist von Fortschritt und Hoffnung ebenso geprägt wie von autoritärem
Handeln und politischem Versagen. Gerade deshalb nehmen wir ihn nicht unkritisch auf,
sondern setzen uns aktiv mit seiner Vergangenheit, seinen vielfältigen Strömungen und
seiner Bedeutung für die Gegenwart auseinander. Unser Sozialismusverständnis ist
plural, demokratisch, menschenrechtsbasiert und an den Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts orientiert. Wir verstehen den demokratischen Sozialismus als
langfristiges Ziel unserer politischen Arbeit – als Vision einer solidarischen
Gesellschaft jenseits kapitalistischer Ausbeutungsverhältnisse. Dabei stellen wir uns
konsequent gegen Verklärungen der Vergangenheit hinsichtlich allen erdenklichen
repressiven Machtstrukturen.
Wir wissen: Eine gerechte Gesellschaft lässt sich nicht allein im Rahmen bestehender
kapitalistischer Verhältnisse verwirklichen. Die zunehmende Konzentration von
Vermögen, die Macht wirtschaftlicher Eliten und die strukturelle Ungleichheit im
Zugang zu Bildung, Arbeit, Wohnen und Mitbestimmung sind Ausdruck eines Systems, das
grundlegende Veränderungen braucht. Für uns ist klar: Wer es mit sozialer
Gerechtigkeit ernst meint, muss auch Systemfragen stellen dürfen.
Unsere Grundwerte – Feminismus, demokratischer Sozialismus, Antifaschismus,
Antirassismus und Internationalismus – bilden die Basis unseres politischen Handelns.
Sie sind kein Selbstzweck, sondern Orientierung in einer komplexen Welt. Wir treten
ein für eine Gesellschaft, die vielfältig ist, in der Herkunft, Geschlecht oder
soziale Stellung nicht über Chancen entscheiden. Diese Prinzipien sind nicht
verhandelbar – und wir müssen sie entschlossen in die politische Praxis tragen.
Zentral für unser sozialistisches Selbstverständnis ist auch das Bewusstsein für
gesellschaftliche Klassenverhältnisse. Wer die bestehenden Ungleichheiten überwinden
will, muss verstehen, wie sie entstehen – und wie sie durch Machtstrukturen,
Eigentumsverhältnisse und politische Entscheidungen reproduziert werden. Dieses
Verständnis zu fördern ist Aufgabe linker Bildungsarbeit. Gerade junge Menschen – ob
in Ausbildung, Studium oder im Berufsleben – brauchen Räume, in denen sie ihre
sozialen Erfahrungen politisch einordnen und sich gemeinsam organisieren können.
Ein demokratischer Sozialismus kann nur durch kritische Theorie, praktische Erfahrung
und solidarisches Handeln wachsen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, Sozialismus
nicht als starre Ideologie, sondern als lebendiges Projekt zu verstehen – eines, das
konkrete Verbesserungen im Hier und Jetzt anstrebt, aber die Utopie einer besseren
Gesellschaft nicht aus dem Blick verliert.
Unser Verhältnis zur SPD Baden-Württemberg
Wir Jusos Baden-Württemberg stehen unserer Mutterpartei konstruktiv-kritisch
gegenüber. Diese Haltung ist kein Selbstzweck, sondern notwendig angesichts eines
Mangels an Visionen und eines überzogenen Realismus, der die SPD derzeit prägt.
Eine Jugendorganisation, die inhaltlich nichts beizutragen hat und ausschließlich als
billiges Wahlkampfinstrument im großen Maschinenraum der SPD dient, ist entbehrlich.
Wir Jusos jedoch sind nicht entbehrlich. Wenn wir nicht bei jedem Wahlkampf alles
geben, Marktplätze füllen, Bürger*innengespräche führen und Präsenz zeigen würden,
stünde die SPD heute nicht da, wo sie steht – sondern bei einstelligem
Wähler*innenzuspruch.
Diese Kraft, dieses Engagement muss sich endlich auch in den Inhalten der Partei
widerspiegeln. Unsere Forderungen lassen sich nicht leichtfertig als Tagträumereien
oder Utopien abtun. Was wir in langen Diskussionen erarbeiten, debattieren und
verhandeln, muss Einzug in die Grundsatz- und Wahlprogramme der SPD halten.
Denn unsere Forderungen spiegeln die realen Bedürfnisse der Menschen wider – jener
Menschen, für die die SPD einmal Politik gemacht hat und bei denen sie inzwischen,
getrieben von staatspolitischer Kompromissfindung, den Bezug zu verlieren droht.
Wir Jusos Baden-Württemberg werden unsere inhaltlichen Positionen künftig noch lauter
und entschlossener in die Partei tragen – und wir verlangen, dass sie gehört werden.
Neben all der grundsätzlichen Punkte, sprechen unsere Forderungen eine Zielgruppe von
Menschen an, bei der die SPD gerade dabei ist, alles zu verhauen: “Junge Menschen”!
Wir fordern, dass unsere Visionen, wie sie in zahlreichen Anträgen formuliert sind,
endlich und umfassend zu klaren Positionen der SPD werden – auf kommunaler, Landes-
und Bundesebene. Denn eines sollte allen klar sein:
Ohne uns Jusos, die sich immer wieder mit voller Kraft für diese Partei einsetzen,
ist die SPD aufgeschmissen.
Unsere Rolle im Juso-Bundesverband
Durch starke Vernetzung, kontinuierlichen Austausch und eine klare inhaltliche
Positionierung haben wir unsere Beziehungen im Juso-Bundesverband in den letzten
Jahren deutlich gestärkt.
Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen. Unser Ziel ist es, nicht nur präsent zu
sein, sondern aktiv Spuren zu hinterlassen. Wir wollen unsere Erfahrungen,
Perspektiven und politischen Schwerpunkte selbstbewusst einbringen – in
Antragsdebatten, Gremienarbeit und Kampagnenentwicklung. Baden-Württemberg soll im
Bundesverband nicht nur mitdenken, sondern mitgestalten. Die Signatur der Jusos BW
soll im politischen Agieren der Bundesebene erkennbar sein: progressiv, klar,
bewegungsorientiert und nah an der Lebensrealität junger Menschen in Stadt und Land.
Als drittgrößter Landesverband in Deutschland ist für uns klar, dass daraus auch ein
politischer Gestaltungsanspruch erwächst. Wir wollen den Bundesverband nicht nur
begleiten, sondern aktiv mitprägen – mit starken Inhalten, sichtbaren Personen und
konkreter Verantwortung. Dazu gehört für uns auch, dass Baden-Württemberg weiterhin
mit einer stellvertretenden Bundesvorsitzenden im Bundesvorstand vertreten ist. Wir
werden dafür kämpfen, diese Stimme zu behalten. Gleichzeitig wollen wir uns intensiv
an bundesweiten Prozessen und Initiativen beteiligen, eigene Impulse setzen und
Verantwortung dort übernehmen, wo es um strategische Weiterentwicklung, Mobilisierung
und inhaltliche Ausrichtung geht.
Dafür braucht es eine enge Verzahnung zwischen Landesvorstand, den aktiven
Mitgliedern vor Ort und unseren Vertreter*innen auf Bundesebene. Wir setzen uns zum
Ziel, die Rolle von Baden-Württemberg im Bundesverband weiter auszubauen – nicht aus
Prestige, sondern weil wir überzeugt sind, dass unsere Ideen, unsere Haltung und
unsere Perspektiven gebraucht werden.
Unsere JSAG (Angebot für Schülis und Azubis):
Die JSAG ist in erster Linie Selbstorganisation der Interessen von Schüler*innen und
Azubis in unserem Verband, aber auch ein sozialdemokratisches Sprachrohr ihrer
Interessen nach außen.
Sie setzt sich für gerechte Bildung, unabhängig vom Einkommen und Herkunft ein und
macht sich für die Arbeitnehmer*innenrechte von Azubis stark. Dass erreicht sie,
indem sie die Perspektiven von Schüler*innen und Azubis an die Partei weitergibt und
sich in den Diskurs um Bildungs- und Ausbildungsfragen einbringt.
Sie soll eine Eintrittstür für diese Menschen in die Sozialdemokratie und die Jusos
sein und zugleich den Jüngsten in unserem Verband einen Raum geben, in dem sie sich
mit der Verbandsarbeit vertraut machen können und sich gehört fühlen.
Gemeinsam möchten wir junge Menschen, auch ausdrücklich diejenigen, die (noch) kein
Teil des Verbandes sind, dazu ermutigen, in Schule, Betrieb und Einsatzstelle
Verantwortung zu übernehmen und ihnen dafür mit Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit
unseren Bündnispartner*innen hilfreiche Skills mitzugeben.
Wir wollen gerade denen, die schon Verantwortung, durch Jugendparlamente, SMVen oder
Gewerkschaften übernehmen, das Angebot machen, sich über die JSAG über ihre Aufgaben
weiterzubilden und zu vernetzen. Damit können wir Sozialdemokratie zurück in den
öffentlichen Raum rücken und uns auch außerhalb von Parteistrukturen für
sozialdemokratische Werte einsetzen.
Wir wollen jedem Kreisverband ermöglichen, sich durch eigene Strukturen oder die
Landesebene an der JSAG zu beteiligen und so seinen Schüler*innen eine Möglichkeit
geben, sich Gehör zu ihren Themen zu verschaffen.
Unsere Hochschulgruppen
Unsere Jusohochschulgruppen sind die Ansprechpartner*innen für die Belange der
Studierenden im Verband. Mit ihnen treten wir bei Hochschulwahlen an und tragen
unsere wissenschaftspolitischen Forderungen in die SPD. Wir wollen die Landtagswahl
nutzen, um der SPD unseren inhaltlichen Stempel aufzudrücken und die Sozialdemokratie
als treibende Kraft hinter der studentischen Interessenvertretung im Land zu
etablieren. Nach zehn Jahren Grün-Schwarz braucht es frischen Wind in der
Hochschulpolitik.
Wir wollen die Gründung und Wiederbelebung weiterer Hochschulgruppen anregen. Dazu
stoßen wir auch eine Vernetzung der Kreisverbände an, die zwar Hochschulstandorte
sind, aber bisher keine Hochschulgruppe haben. Auch hier wollen wir im Wahlkampf
Studierende ansprechen – gerade an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften, an
denen wir unterrepräsentiert sind. Dort studieren vermehrt Erstakademiker*innen,
denen wir als Kämpfer*innen für Bildungsgerechtigkeit in besonderem Maße verbunden
sind.
Gleichzeitig arbeiten wir an einer Modernisierung der HSG-Strukturen. Mit der neuen
WhatsApp-Community der Landesjusos wollen wir den Austausch unter den Studierenden
ausbauen und auf ein neues Level heben. Die Landeskoordinierungstreffen sollen
niedrigschwelligere Veranstaltungen werden, bei den alle Studierenden ihre Anliegen
vorbringen können.
Weiterentwicklung das KONTRA
Unser Verbandsmagazin Kontra wollen wir in den kommenden Jahren gezielt zu einem
sozialistischen ThinkTank weiterentwickeln. In einer Zeit, in der wir immer stärker
beobachten, wie sich die Partei von ihren eigenen inhaltlichen Wurzeln entfernt und
politische Debatten zunehmend von pragmatischen Kompromissen geprägt sind, brauchen
wir einen Raum, in dem junge Linke wieder frei und mutig denken können. Wenn wir als
linke Volkspartei auch zukünftig relevant bleiben wollen, müssen wir nicht nur
bekannte Antworten wiederholen, sondern neue, kreative und manchmal auch wahnsinnig
wirkende Ideen entwickeln, um gesellschaftliche Probleme konsequent und aus
verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
Kontra ist und soll für alle Mitglieder eine niederschwellige Möglichkeit bieten,
sich an diesen Debatten zu beteiligen, eigene Gedanken einzubringen und sich mit
anderen kritisch auseinanderzusetzen. Es soll ein Forum sein, in dem politische
Visionen, progressive Impulse und radikale Ansätze Platz haben – unabhängig von
Parteistrukturen oder kurzfristigen taktischen Überlegungen. Wir verstehen das
Magazin als einen Ort politischer Erneuerung von der Basis aus, der dazu beiträgt,
unsere Bewegung lebendig zu halten und neue Impulse in die Partei zu tragen.
Mit dieser Weiterentwicklung wollen wir nicht nur das inhaltliche Profil der Jusos
stärken, sondern auch unseren Anspruch unterstreichen, als junge Sozialist*innen die
treibende Kraft für eine sozial gerechte und emanzipatorische Politik zu sein. Kontra
soll so zu einem Motor für gesellschaftliche Veränderung werden – kritisch, kreativ
und unbequem. Dafür ist klar, dass dies nur funktionieren kann, sofern sich viele
Mitglieder beteiligen.
Die redaktionelle Arbeit soll sich dabei weiterhin im digitalen Raum (Podcast, Social
Media und Blog) fokussieren, regelmäßige Printausgaben sollen perspektivisch wieder
angeboten werden. Hierbei gilt auch, dass die redaktionelle Arbeit attraktiv ist,
damit die Jusos vor Ort einen Nutzen haben von dem KONTRA.
Begründung
erfolgt mündlich.
