Geld. Gerecht. Verteilen. Wirtschaft demokratisieren, Eigentum umverteilen, Macht brechen!


Unsere Wirtschaft gehört uns – nicht den Konzernen!

 Unsere Wirtschaft funktioniert nicht für die Gesellschaft, sondern für einige wenige.
 Während Konzerne sogar in der Krise Rekorddividenden ausschütten, explodieren die
 Preise für Miete, Energie und Lebensmittel. Während Vermögen wachsen, steigen Armut,
 Unsicherheit und sozialer Ausschluss. Dieses System produziert nicht nur Ungleichheit
 – es ist auf ihr aufgebaut. 

 Die SPD hat ihren Ursprung in der Arbeiter*innenbewegung – im Kampf für
 Gerechtigkeit, Solidarität und die politische Stimme derjenigen, die im Kapitalismus
 täglich ausgebeutet werden. Doch dieser Kern ist über Jahrzehnte verloren gegangen.
 Statt klare Verteilungsfragen zu stellen, hat sich die Partei zu oft in der Politik
 der kleinen Schritte verloren – und dabei das große Ganze aus den Augen gelassen.
 Während Managergehälter, Dividenden und Immobilienvermögen explodieren, können sich
 immer mehr Menschen das Leben nicht mehr leisten: Ein normales Häusle ist für viele
 unerreichbar geworden, die Miete frisst das halbe Einkommen, und selbst mit
 Vollzeitjob reicht es oft nur knapp bis zum Monatsende. Diese Realität ist das
 Ergebnis politischer Entscheidungen – oder unterlassener Korrekturen.

 Die Erzählung der sozialen Marktwirtschaft ist längst brüchig geworden: Wenn
 Millionen Menschen trotz Arbeit arm sind, wenn Wohnraum zur Ware verkommt, wenn
 Pfleger*innen ausgebrannt sind und der Reichtum in immer weniger Händen liegt – dann
 ist das kein Betriebsunfall, sondern System. Die “soziale” Marktwirtschaft, wie sie
 gerne verklärt wird, hat ihre Versprechen nicht gehalten. Angesichts von wachsender
 Ungleichheit, dem Zusammenbruch unserer Ökosysteme und der fortschreitenden Verbrauch
 endlicher Ressourcen, müssen wir unseren Blick statt auf kleine Stellschrauben wieder
 auf die großen Zusammenhänge richten: Die ungezügelte Gier einiger weniger bedroht
 unsere Lebensweise. Der Widerspruch zwischen denjenigen, die gezwungen sind, ihre
 Arbeitskraft zu verkaufen und jenen, die einfach aus Geld mehr Geld machen, spaltet
 unsere Gesellschaft.

 Wir müssen wieder stärker für die Interessen des modernen Proletariats eintreten,
 denn auch wenn sich die Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat, bleibt
 eines gleich: Viele Menschen leben davon, ihre Arbeitskraft tagtäglich einzubringen.
 Ob beim Paketausfahren, in der Pflege, an der Supermarktkasse, im Büro oder in der
 IT: Sie sorgen dafür, dass unsere Gesellschaft funktioniert und stehen dabei oft
 unter großem Druck, erhalten zu geringe Löhne oder machen Überstunden, die nicht
 anerkannt werden. Unsere Aufgabe ist es, diese Menschen wieder stärker in den
 Mittelpunkt unserer Politik zu rücken. Denn soziale Gerechtigkeit beginnt mit fairen
 Arbeitsbedingungen, verlässlicher Bezahlung und einer Gesellschaft, die die Leistung
 der Vielen anerkennt.

 Wir lassen uns nicht spalten: nicht in „fleißige Mitte“ gegen “unproduktive
 Faulenzer*innen“, nicht in Alt gegen Jung, “Deutsche gegen Migrant*innen” oder
 Angestellte gegen Selbstständige. Wir spielen die Menschen nicht gegeneinander aus –
 wir kämpfen gemeinsam gegen das System, das uns spaltet. Solidarität heißt: Das
 Proletariat von heute erkennen, organisieren und für eine gemeinsame Zukunft
 mobilisieren! 

 Wir Jusos Baden-Württemberg sagen deshalb klar: Soziale Gerechtigkeit ist kein
 nachgeordneter Konflikt. Wer die Verteilungsfrage nicht stellt, bleibt in
 Symbolpolitik stecken. 

 Denn unser Wirtschaftssystem basiert auf unbezahlter Sorgearbeit, weiblicher
 Niedriglohnbeschäftigung und patriarchalen Besitzverhältnissen. Feministische
 Ökonomie zeigt: Kapitalismus lebt von der Unsichtbarkeit weiblicher Arbeit. Die
 Arbeit, die Gesellschaften am Laufen hält – Kinder erziehen, Alte pflegen, Angehörige
 versorgen – wird ausgeblendet, ausgelagert oder abgewertet.

 Wir kämpfen für eine Wirtschaft, die sich um Menschen kümmert – nicht um Profite.

 I. Eigentum verpflichtet – Wir verpflichten es neu

 Demokratisierung der Wirtschaft bedeutet vor allem eines: die Machtfrage stellen. Wer
 entscheidet, was produziert wird? Die Produktionsmittel in diesem Land sind in
 privater Hand – und damit der Kontrolle der Mehrheit entzogen. Das betrifft auch
 strukturell benachteiligte Gruppen: Frauen, queere Personen, Migrant*innen, Menschen
 mit Behinderungen oder Alleinerziehende sind besonders häufig ökonomisch abhängig,
 unterbezahlt oder armutsgefährdet. 

 Viele Milliardär*innen gibt es nicht, weil sie so außergewöhnlich viel geleistet
 haben – sondern weil unser Wirtschaftssystem Reichtum systematisch nach oben
 verteilt. Wer Kapital besitzt, profitiert von Renditen, Spekulation und politischen
 Strukturen, die Eigentum schützen, nicht Leistung. Ein Beispiel: Die Gründer*innen
 von BioNTech wurden durch ein öffentlich gefördertes Forschungsprojekt während einer
 globalen Gesundheitskrise zu Milliardär*innen. Sie haben zweifellos geforscht – aber
 die Grundlagen kamen aus jahrzehntelanger, öffentlich finanzierter Wissenschaft. Der
 Gewinn jedoch wurde privatisiert. Es ist kein Zufall, dass Menschen in der Pflege,
 die in derselben Pandemie Leben gerettet haben, heute mit Niedriglöhnen kämpfen – und
 andere zu Milliardär*innen wurden. Das ist nicht Leistungsgerechtigkeit – das ist
 Kapitalismus.

 Daher fordern wir: 

  •  Unternehmen mit systemischer Bedeutung (z. B. Energie, Gesundheit, Wohnen,
     Öffentlicher Verkehr, Plattformökonomie) gehören unter öffentliche und
     demokratische Kontrolle.
  •  Ein gerechtes Steuersystem, das endlich umverteilt: Erbschaftssteuer
  •  Progressive Besteuerung von Kapitalgewinnen: Kapitalgewinne sollten gleich
     behandelt werden, wie Arbeitseinkommen und mit dem persönlichen Steuersatz
     versteuert werden. Der aktuelle Steuersatz führt dazu, dass viele
     Arbeitseinkommen höher besteuert werden, als passive Einkommen aus Dividenden.
  •  Geschlechtergerechte Steuerreform: Abschaffung des Ehegattensplittings, gerechte
     Individualbesteuerung
  •  Eine demokratische Gesellschaft sollte die Begrenzung von Reichtum zum Ziel
     haben: Kein Mensch verdient dreistellige Millionenbeträge – denn kein Mensch
     erarbeitet sich solche Summen allein, sie entstehen durch Ausbeutung,
     Erbschaften und strukturelle Ungleichheit. Gleichzeitig braucht es eine
     Obergrenze für Unternehmensgewinne.
  •  Damit einhergehend fordern wir die Kappung von Unternehmensanteilen an großen
     Kapitalgesellschaften: Niemand soll mehr als 100 Millionen Euro an Anteilen an
     großen Kapitalgesellschaften halten dürfen. Denn mit übergroßen Anteilen
     entsteht auch übergroße Macht – über Arbeitsplätze, Produktion, Preise und
     politische Entscheidungen.
  •  Um Abwanderung und Kapitalstreiks zu verhindern, fordern wir internationale
     Mindeststeuern, eine globale Reichtumsabgabe und verbindliche Sozial- und
     Umweltstandards, die auch Konzerne jenseits der Landesgrenzen verpflichten. Wer
     hier Gewinne macht, soll auch hier Verantwortung tragen.
  •  Vergesellschaftung von Boden – auch als feministische Frage: Wohnen ist ein
     Menschenrecht, keine Ware. Frauen sind überproportional von Wohnungslosigkeit,
     Gewalt im Wohnraum und Abhängigkeitsverhältnissen betroffen.
  •  Konsequent gegen Steuerbetrug vorgehen

 II. Arbeiten, aber gerecht – und weniger 

 Arbeitszeitverkürzung, faire Bezahlung, Sicherheit – das fordern wir nicht nur für
 klassische Erwerbsarbeit. Wir wollen die Trennung von „richtiger“ und „weiblicher“
 Arbeit überwinden.

  •  Produktivitätsgewinne müssen endlich wieder bei den Arbeitnehmer*innen ankommen:
     Wir kämpfen weiterhin dafür, dass Produktivitätsgewinne auch für eine
     Arbeitszeitverkürzung eingesetzt werden und wollen so in den kommenden
     Jahrzehnten eine Arbeitswoche von 25 Stunden bei vollem Lohnausgleich erreichen
     – das ist ein entscheidender Schritt für eine gerechte Aufteilung von Erwerbs-
     und Sorgearbeit.
  •  Anerkennung und Umverteilung von Care-Arbeit: Pflege, Erziehung und Haushalt
     sind keine Privatsache, sondern gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Wir fordern
     eine Care-Offensive, die diesen Sektor aufwertet, entkommerzialisiert und
     demokratisiert.
  •  Wir fordern ein einheitliches und solidarisches Rentensystem, in das alle
     Erwerbstätigen, unabhängig von Berufsgruppe oder Status, verpflichtend
     einzahlen. Die Beiträge sollen dabei progressiv ausgestaltet sein, sodass höhere
     Einkommen stärker zur Finanzierung beitragen. Nur so schaffen wir langfristige
     Gerechtigkeit, Stabilität und Vertrauen in die gesetzliche Rente.
  •  Wir fordern eine vollständig kostenfreie Bildung – von der Kita bis zum
     Schulabschluss. Der Zugang zu guter frühkindlicher Bildung und Betreuung darf
     nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Deshalb müssen Kitas und
     Ganztagsschulen flächendeckend, gebührenfrei und qualitativ hochwertig ausgebaut
     werden. • Wir fordern eine massive Stärkung der Gewerkschaften – als
     demokratisches Rückgrat der Arbeitswelt.
  •  Dazu gehören ein erleichterter Zugang zu Betrieben, eine gesetzlich garantierte
     Tarifbindung und das Recht der Gewerkschaften, Tarifverträge einseitig für
     allgemeinverbindlich erklären zu lassen – um Dumpinglöhne wirksam zu verhindern.
     Bislang schreibt § 5 des Tarifvertragsgesetzes vor, dass sowohl Gewerkschaften
     als auch Arbeitgeberverbände der Allgemeinverbindlichkeit zustimmen müssen.
     Dieses Vetorecht wollen wir abschaffen. Gleichzeitig braucht es mehr
     Mitbestimmung in Unternehmen, verbindliche Quoten für gewerkschaftliche
     Vertretung in Aufsichtsräten und ein klares Streikrecht auch für politische
     Streiks.
  •  Mitbestimmung neu denken: Gewerkschaften müssen intersektional arbeiten – mit
     expliziten Vertretungen für FINTA*-Personen in Betriebsräten, Aufsichtsräten und
     Tarifkommissionen.

 III. Klima und Gerechtigkeit zusammendenken – System Change, not Climate Change! 

 Die Klimakrise trifft nicht alle gleich. Feministische Perspektiven machen sichtbar,
 dass insbesondere Frauen im globalen Süden, alleinerziehende Mütter oder queere
 Menschen mit geringem Einkommen massiv unter den Folgen leiden – während die
 Krisenverursacher weiterhin Profite einfahren.

 Deshalb fordern wir: 

  •  Einen feministischen Green New Deal, der ökologische, soziale und
     geschlechtsspezifische Ungleichheiten gemeinsam bekämpft.
  •  Ein feministischer Green New Deal bedeutet massive öffentliche Investitionen in
     soziale Infrastruktur wie Kitas, Pflege und Beratungsstellen – denn Care-Arbeit
     ist genauso systemrelevant wie Industriearbeit. Unbezahlte Sorgearbeit wird
     durch staatliche Zeitbudgets, Lohnersatz und Rentenausgleich sichtbar gemacht
     und gerecht verteilt. Klimapolitik wird demokratisiert: Menschen aus
     Arbeiter*innenberufen, Frauen und marginalisierte Gruppen entscheiden mit, wie
     ökologische Transformation sozial gerecht gestaltet wird.
  •  Klimaneutrale Wirtschaft bis 2040 – mit Rücksicht auf Care-Arbeit, soziale
     Daseinsvorsorge und Arbeitszeitmodelle.
  •  Klimagerechtigkeit heißt Umverteilung – auch von Verantwortung und Ressourcen.
     Reiche Männer in fossilen Konzernen wie Shell, RWE oder Exxon haben
     jahrzehntelang Milliarden verdient, während sie wissentlich die Klimakrise
     angeheizt haben. Deshalb fordern wir: Konzerngewinne aus fossiler Energie müssen
     hoch besteuert werden, um den sozial-ökologischen Umbau zu finanzieren.
     Gleichzeitig müssen große Emittenten und Vermögende stärker zur Kasse gebeten
     werden – durch eine Klimavermögensabgabe, CO₂-Grenzwerte für Luxusverbräuche und
     ein Verbot fossiler Lobbyfinanzierung. Wer den Planeten zerstört, soll nicht
     auch noch daran verdienen.

 IV. Für eine demokratiekonforme Wirtschaft – feministisch, sozialistisch, gerecht 

 Demokratie endet nicht am Werkstor oder an der Ladentheke. Sie beginnt mit der Frage:
 Wem gehört was – und wer entscheidet darüber? 

 Wir sagen:

  •  Kapitalismus und Patriarchat stützen sich gegenseitig. Ohne die Enteignung
     weiblicher Arbeit, ohne geschlechtsspezifische Rollenbilder und
     Abhängigkeitsverhältnisse könnte dieses System nicht existieren.
  •  Wir brauchen eine feministische Systemalternative, in der Eigentum demokratisch,
     Arbeit gerecht und Leben selbstbestimmt ist.

 Das gute Leben für alle! 

 Deshalb ist für uns klar: Es braucht einen modernen demokratischen Sozialismus. Ein
 System, das Eigentum umverteilt, Macht demokratisiert und die Wirtschaft in den
 Dienst der Menschen stellt – nicht umgekehrt. Die Ungleichheit, die sich im
 Kapitalismus ständig neu produziert, lässt sich nicht reparieren, sie muss überwunden
 werden. Es reicht nicht, an Symptomen herumzudoktern, während sich wenige weiter
 bereichern und viele kaum über die Runden kommen. Wir wollen eine Wirtschaft, die
 allen gehört, weil alle sie am Laufen halten. Wir wollen, dass Forschung, Arbeit,
 Pflege und gesellschaftliches Engagement auch kollektiv belohnt werden.
 Demokratischer Sozialismus heißt: Reichtum umverteilen, Macht brechen, Zukunft
 gerecht machen.

Begründung

Erfolgt mündlich.