Änderung des Titels: Für eine Evaluation, Stärkung und Ausweitung des dualen
Lehramtsstudiums in Baden-Württemberg
Zur Weiterleitung an: SPD-Landesparteitag, SPD-Landtagsfraktion
Die Versammlung möge beschließen:
Vor dem Hintergrund des zunehmenden Lehrkräftemangels und der Herausforderung,
qualifizierten Nachwuchs für das Bildungssystem zu gewinnen, stellt das duale
Lehramtsstudium ein innovatives und vielversprechendes Modell dar. Es verbindet
frühzeitige Praxiserfahrung mit wissenschaftlicher Qualifikation und spricht
insbesondere Menschen mit beruflicher Vorqualifikation sowie Quereinsteiger*innen an.
Zum Wintersemester 24/25 startete Baden-Württemberg einen ersten Modellversuch zu
dualen Lehramtsmasterstudiengängen an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe
(Sekundarstufe I), der Universität Freiburg (Sekundarstufe II) und der Universität
Stuttgart (berufliches Lehramt) für Absolvent*innen von Fachbachelorstudiengängen in
den Fächern Physik, Informatik und Mathematik. Wir begrüßen diese Modelle, zugleich
besteht jedoch erheblicher Entwicklungsbedarf in Bezug auf Struktur,
Qualitätssicherung, Einbindung relevanter Akteure und eben der Öffnung auch für
reguläre Lehramtsstudierende.
Wir fordern daher:
- Eine systematische Evaluation des aktuellen Modellversuchs, um Stärken,
Schwächen und Entwicklungspotenziale dieses Ausbildungswegs insbesondere im
Hinblick auf Ausbildungsqualität, Arbeitsbelastung, Studierbarkeit, Vergütung
und schulische Wirkung transparent zu bewerten. - Den qualitativen Ausbau und die dauerhafte Verankerung des dualen
Lehramtsmasters an Hochschulen in Baden-Württemberg auch für reguläre
Lehramtsstudierende, unter Sicherstellung einer ausgewogenen Verzahnung von
Theorie und Praxis sowie klarer tariflicher, struktureller und pädagogischer
Standards. - Die Erarbeitung eines Konzepts für einen dualen Lehramtsbachelor, der frühzeitig
Praxiserfahrung integriert und Studierenden einen kontinuierlichen Weg ins
Lehramt eröffnet. - Die gemeinsame Konzeptentwicklung und generelle Zusammenarbeit aller relevanten
Akteuren, insbesondere Hochschulen, Studierendenvertretungen,
Lehrer*innenverbände, Schulen, Schulträger, Kultusministerium, Zentrum für
Schulqualität und Lehrerbildung und Gewerkschaften. - Die Sicherstellung einer tariflichen Vergütung für Studierende im dualen
Lehramtsstudium, um faire und sozial gerechte Ausbildungsbedingungen
gewährleisten zu können und zu verhindern, dass Studierende nur als billige
Arbeitskräfte ausgenutzt werden. - Die Ausbildung der Studierenden zu professionellen Lehrkräften muss oberstes
Ziel bleiben, damit das duale Lehramtsstudium nicht dazu genutzt wird,
kurzfristige Personallücken im Schuldienst zu schließen, sondern dem
Lehrkräftemangel in Baden-Württemberg nachhaltig und qualitativ hochwertig
entgegenwirken kann. - Eine kritische Begleitung der Maßnahmen im Sinne der Studierenden und der
Institution Schule, um Bildungsqualität, Chancengleichheit und pädagogische
Wirksamkeit langfristig zu sichern. - Die Ausweitung des dualen Studienmodells auch auf die Studiengänge für
Sonderpädagogik und Primarstufe, um dort gezielt dem Lehrkräftemangel
entgegenzuwirken.
Wir begrüßen, dass diese Forderungen unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft unterstützt werden, die sich für ein qualitätsgesichertes, tariflich
abgesichertes und gemeinschaftlich entwickeltes, wissenschaftlich fundiertes duales
Lehramtsstudium einsetzt.
Wenn wir das duale Lehramtsstudium nicht nur als Notlösung, sondern als Chance
verstehen, brauchen wir jetzt klare Weichenstellungen – für Qualität, Gerechtigkeit
und Zukunftssicherheit in der Lehrer*innenbildung. Damit Baden-Württemberg wieder
Bildungs-Bundesland Nummer eins wird.
Begründung
Erfolgt mündlich
