Show me what Erneuerung looks like!


Zur Weiterleitung an: SPD-Bundesvorstand

 Nach dem desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl 2025 hat der SPD-Parteivorstand
 im Juni 2025 beschlossen, eine grundsätzliche Reform der Parteistrukturen anzustreben
 und innerhalb von 2 Jahren ein neues Grundsatzprogramm auszuarbeiten. Wir Jusos
 wollen diesen Prozess mitgestalten und unsere Vision einer modernen, digitalen,
 linken Partei skizzieren. Die Versprechen des Parteivorstandes dürfen nicht wie die
 üblichen Floskeln nach der x-ten Wahlniederlage enden, sondern müssen ein Aufbruch zu
 einem tatsächlich neuen Politikansatz sein, wenn die Sozialdemokratie im
 21.Jahrhundert bestehen will.

 Unsere Partei ist nicht nur politisch, sondern auch strukturell in die Jahre
 gekommen. Viele unserer Organisationsformen stammen aus einer Zeit, in der
 Gesellschaft und Kommunikation völlig anders funktionierten. Wenn wir im 21.
 Jahrhundert bestehen wollen, müssen wir nicht nur neue Antworten geben – wir müssen
 auch die Art, wie wir Politik machen, grundsätzlich verändern.

 Gerade im Zuge des Grundsatzprogrammprozesses bietet sich die einmalige Chance,
 endlich auch die überkommenen Strukturen unserer Partei zu reformieren. Echte
 Erneuerung heißt: Mitglieder ernst nehmen, Macht verteilen, Prozesse öffnen.

 Digitale Partei

 Mit der Einführung der Online-Themenforen (z.B. für Klimagerechte Wirtschaft) hat die
 Partei einen einmaligen Schritt in Richtung echter digitaler Beteiligung gemacht.
 Dieser muss nun weitergegangen werden: Es braucht Online-Themenforen zu allen
 wichtigen Politikbereichen, die nicht nur beraten sondern auch stimmberechtigte
 Delegierte auf den Bundesparteitag entsenden. Insbesondere für Genoss*innen aus
 strukturschwachen Gegenden und für Einzelne, die nach einem themenbezogenen
 Engagement suchen, sind sie eine wichtige Anlaufstelle. 

 Diese Strukturen müssen mit mehr Infrastruktur und Finanzmitteln ausgestattet werden.
 Dadurch soll insbesondere ermöglicht werden, regelmäßig öffentlichkeitswirksam
 Expert*innen einzuladen. Andere Parteien haben z.B. auf EU-Ebene vorgemacht, dass mit
 beständiger Arbeit weite Interessenten-Netzwerke aufgebaut werden können und
 hochkaratige Live-Video Formate zu Fachthemen eine breite Zuschauerschaft finden
 können.

 Die SPD muss sich endlich zu einer digitalen Partei entwickeln. Gremiensitzungen
 müssen einfach digital arbeiten und beschließen können. Dafür brauchen insbesondere
 die Sozialdemokrat*innen vor Ort Unterstützung. Das Rote Netz muss endlich für
 konkrete Parteiarbeit ausgebaut und genutzt werden.

 Die Partei muss (wie z.B. bei den Grünen bereits der Fall) zentral für alle
 Gliederungen Systeme für digitale Meeting- und Veranstaltungsräume sowie einen Cloud-
 Dienst anbieten und notfalls externe Lizenzen zur Verfügung stellen.

 Veranstaltungsräume zur Verfügung stellen.

 Wahlkämpfe müssen besser mit digitalen Werkzeugen unterstützt werden (z.B. durch eine
 bessere Tür-zu-Tür-App und eine digitale Unterstützung bei der Plakatierung).

 Bei einem mit Tausenden von Euro ausgestatteten Parteiapparat ist die mangelnde
 Präsenz vieler Abgeordneter in den Sozialen Medien kein Kavaliersdelikt mehr. Gutes
 Social Media darf nicht mehr das Ergebnis der Initiative Einzelner sein, sondern muss
 durch koordinierte Unterstützung aus unseren Parteistrukturen der Normalfall werden. 

 Basisdemokratische Partei

 Der Prozess zum neuen Grundsatzprogram kann nur gelingen, wenn wir echte
 Basisdemokratie leben. Mitglieder vor Ort müssen niedrigschwellig an der Erstellung
 des neuen Grundsatzprogrammes beteiligt werden.

 Mindestens ein Drittel der Plätze in den Arbeitsgruppen sollten mit Partei-externen
 Expert*innen aus unserem politischen Vorfeld besetzt sein.

 Als moderne Mitmachpartei braucht es eine echte Basisabstimmung über das zu
 beschließende Grundsatzprogramm: Den Mitgliedern sollte nicht nur ein fertiger
 Entwurf den sie annehmen oder wegwerfen können vorgelegt werden. Auch das Abstimmen
 von Änderungsanträgen muss möglich sein, um eine echte Wahl zu ermöglichen. Um die
 Menge an Änderungsanträgen übersichtlich zu halten, sollen die einzelnen
 Arbeitsgruppen aus dem Grundsatzprogrammprozess und die Bundesarbeitsgemeinschaften
 der SPD zum Einbringen von Änderungsanträgen für die finale Basisabstimmung
 berechtigt sein.

 Zukünftig soll die Wahl des Vorstandes durch Basisabstimmungen von allen Mitgliedern
 durchgeführt werden.

 Mehr demokratischen Sozialismus wagen!

 Zu lange ließ sich die SPD vom neoliberalen Mainstream treiben lassen, das Hamburger
 Programm ist noch ein Überbleibsel der Schröder-Ära, welche mitverantwortlich war für
 den Identitätsverlust der Partei. Was die Sozialdemokratie immer stark gemacht hat,
 war wenn sie eine Vision hatte. Sie muss wieder eine Vision haben, um die Menschen
 mitzunehmen und Ideen voranzutreiben. Der demokratische Sozialismus, wie er bisher im
 Hamburger Programm definiert wurde, ist zu grob und nur als „historischer Begriff“
 erhalten geblieben. Dabei darf es jedoch nicht bleiben: Im neuen Grundsatzprogramm,
 muss der demokratische Sozialismus ein Bestandteil sein, nicht nur als Tradition,
 sondern als Vision der Zukunft. Sie muss klar die Konflikte und Widersprüche unseres
 Wirtschaftssystems benennen, die Widersprüche zwischen Kapital und Arbeit und die
 Interessen der Arbeiter*innen gegen die des Kapitals vertreten. Für uns bedeutet das,
 die Demokratisierung von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik stärker voranzutreiben.

 -Konkret soll das wirtschaftliche System stark genossenschaftlich geprägt sein.
 Vergesellschaftung bedeutet in diesem Fall die ‚Vergenossenschaftlichung‘ der
 Produktionsmittel und Vermögen.

 -Dagegen muss die Daseinsvorsorge und Infrastruktur, in staatlicher Hand bleiben. Sie
 darf nicht der privaten Hand gehören und nicht der Profitmaximierung dienen. Darunter
 gehört auch ÖPNV, von Zug bis hin zum Flugverkehr.

 -Diese Demokratisierung muss auch in die Bereiche der Gesellschaft und Politik
 vordrängen, zum Beispiel von niedrigschwelligen Möglichkeiten zur Mitbestimmung in
 Parteien bis hin zu stärkerer Miteinbeziehung betrieblicher Strukturen in den
 politischen Prozess.

 Diese Kernpunkte sollen den demokratischen Sozialismus in unserem Programm ausmachen,
 um wieder Visionen zu erlauben, welche unser politisches Handeln prägen. Um den Traum
 und das Versprechen eines besseren Morgens der Sozialdemokratie wiederzubeleben.

 demokratischen Sozialismus als Vision und Ursprung ihrer Grundwerte bekennen.

 Die Institution der Antragskommission beeinflusst die Debattenkultur auf Parteitagen
 massiv. Sie ist wichtig, um die Antragsarbeit auf großen Parteitagen zu koordinieren,
 aber sollte nicht das letzte Wort oder Autoritätsargument der Parteiführung sein.
 Junge und neue Ideen haben so kaum eine Chance, über Parteitagsebene hinauszukommen.
 Um dem entgegenzuwirken, sollten Abstimmungen immer entlang der klassischen
 Wahlmöglichkeiten Ja/Nein/Enthaltung stattfinden und nicht auf das Votum der
 Antragskommission beziehen. Die Antragskommission sollte ihr Votum zu Beginn der
 Debatte präsentieren, aber dann der Debatte der Delegierten das letzte Wort
 überlassen. Die Praxis Anträge durch Überweisung in Parteigremien freundlich zu
 beerdigen gehört abgeschafft.

 Ebenso fordern wir ein Ende der Praxis, Landeslisten über Vorschlagslisten von
 Findungskommissionen oder durch den Landesvorstand vorzuzeichnen. Stattdessen sollen
 sich alle Kandidierenden auf konkrete Plätze bewerben können – auch wenn das mehr
 Zeit auf Parteitagen bedeutet. Demokratie braucht Offenheit, auch bei
 Listenaufstellungen. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass Kreis- oder
 Bezirksparteitage künftig als Vollversammlungen aller Mitglieder stattfinden.

 Feministische Partei

 Es braucht mehr Doppelspitzen auf allen Ebenen der Partei. Genderplena und FINTA*-
 Vernetzungen sollten ein regelmäßiger Teil unserer Veranstaltungen sein. Sie sind
 keine Runden für zwischendurch sondern sollten professionell moderiert und geleitet
 werden. Auch in den SPD Kreisverbänden sollten regelmäßige FINTA*-Vernetzungen
 institutionalisiert werden.

 Die SPD hat noch viele Probleme im Umgang mit weiblichen Mandatsträger*innen. Es
 braucht mehr Platz in der Verbandskommunikation und unseren Publikationen wie dem
 Vorwärts für feministische Inhalte. 

 Junge Partei

 In einer Welt im Umbruch sind junge Stimmen in Entscheidungspositionen wichtiger den
 je. Die SPD muss wieder mehr junge Menschen nach vorne stellen und aussichtsreiche
 Listenplätze an junge Kandidierende vergeben. Um eine Verjüngung des Parlamentes
 anzustreben, sollte die SPD sich parteiübergreifend für die Einführung einer
 Amtszeitbegrenzung von 16 Jahren für den Bundestag, sowie von 20 Jahren für den
 Landtag einsetzen.

Begründung

Mit diesem Antrag wollen wir eine Debatte über die zukünftige Aufstellung der SPD anstoßen. Der Grundsatzprogrammprozess wird ein großer Kraftakt für die ganze Partei. Als Jusos sollten wir hier unsere Kräfte bündeln und die besten Ideen sammeln, um unsere Partei voranzubringen. Er ist eine Einladung an alle Kreisverbände, die sich endlich wieder eine SPD wünschen, die ein klares Profil hat und Arbeiter*innen Interessen vertritt, auch ihre Vorschläge hinzuzugeben. Zu oft wurden in der Vergangenheit Kompromisse zur eigenen Position gemacht oder rechte Narrative unkritisch übernommen. Damit sich hier etwas tut braucht es neue Strukturen, die helfen dem inhaltlichen Argument mehr Gewicht zu geben, als der Parteitaktik und ein Grundsatzprogramm, das die Herausforderungen des 21.Jahrhunderts erkennt und annimmt.