Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn jemand zwar nach der zu Grunde liegenden Vertragsgestaltung selbstständige Dienst- oder Werksleistungen für ein fremdes Unternehmen erbringt, tatsächlich aber nichtselbstständige Arbeiten in einem Arbeitsverhältnis leistet.
Durch Lockangebote in Form von Scheinselbstständigkeit werden immer mehr ausländische Arbeiter mit dem Versprechen deren wirtschaftliche Lage zu verbessern nach Deutschland gebracht. In der Realität arbeiten sie dann jedoch für einen unwürdigen Lohn und katastrophalen Arbeitsverhältnissen und verschaffen dem Arbeitgeber zudem steuerliche Vorteile.
Ausländische Agenturen werben in meist wirtschaftlich schwächeren Ländern, wie Polen, Rumänien, Bulgarien und Portugal, Arbeiter an, um diese dann mit der Aussicht auf schnelle Arbeit nach Deutschland zu bringen. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage herrscht in diesen Ländern oft eine Perspektivlosigkeit bezüglich Arbeitsplätzen und Zukunftschancen und die Arbeiter erhoffen sich durch mit Hilfe der Agenturen ihre Lebensumstände verbessern zu können. Die „schnelle Vermittlung“ wird durch Scheinselbstständigkeiten gewährleistet, da trotz hoher Arbeitslosenzahlen in Deutschland viele Branchen, wie Bauunternehmen, von Schwarzarbeit leben.
Als Anreiz hält die Selbstständigkeit für die Arbeitnehmer den Vorteil bereit, dass sie durch die Ausübung einer selbständigen Tätigkeit den gleichen Rechten und Pflichten wie deutsche Staatsbürger unterliegen. Sie haben somit einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis. Da sie jedoch nicht wirklich als eigenständige Arbeiter agieren und nur Scheinselbständige sind, ist ihre Arbeit illegal. Diese Agenturen fordern für die Vermittlung dieser illegalen Tätigkeiten jedoch einen hohen Betrag. Die Arbeiter könnten (theoretisch) auch selbst diesen Antrag zur Selbständigkeit stellen, ohne die Deckung dieser Agenturen.
Hier werden sie dann von den Agenturen als Selbstständige angemeldet und an Dienstleistungsgesellschaften, Handwerksbetriebe, Baufirmen etc. vermittelt. Die deutschen Arbeitgeber müssen für die Beschäftigten dann keine Sozialabgaben zahlen, da diese als vermeintliche „Subunternehmer“ arbeiten. Scheinselbstständigkeit ist in Deutschland eine Straftat, da somit steuerliche Pflichten nicht erfüllt werden und somit laut Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit und illegalen Beschäftigung Schwarzarbeit vorliegt. Somit verleiten die Agenturen die Menschen in ein illegales System ohne Rechtsansprüche. Die Arbeitnehmer sind durch diese Illegalität der Scheinselbstständigkeit an dem von den Arbeitgebern und Agenturen geschaffenen sozialen Netzwerk, wie Wohnen, gebunden.
Die Arbeitgeber profitieren in dem Maße davon, dass sie keine Sozialabgaben zahlen müssen und auch nicht an tarifliche Verträge gebunden sind, da ihre Arbeiter als Subunternehmer agieren. Außerdem wird der gesetzliche Mindestlohn unterlaufen. In Folge dessen erhalten die Arbeitnehmer oft nur einen geringen Lohn und die ihnen gestellte Unterkunft müssen sie sich unter menschenunwürdigen Zuständen mit anderen Arbeitern teilen, welche sie auch von ihrem Lohn zahlen müssen. Oft können die Arbeiter kein oder nur begrenzt Deutsch und aufgrund dieser sprachlichen Differenzen sind sie in Deutschland an ihre Vermittler gebunden und ihnen schutz-und rechtlos ausgeliefert.
Die Jusos Baden-Württemberg fordern deswegen ein stärkeres Eintreten des Staates gegen diese Scheinbeschäftigungen, um die ausländischen Arbeitnehmer vor diesen ausbeuterischen Machenschaften zu bewahren. Ausländische Arbeitnehmer sollen besser über ihre Rechte aufgeklärt werden. Durch stärkere Kontrollen von Betrieben, sollen menschenunwürdige Arbeits- und Wohnsituationen aufgeklärt und abgeschafft werden. Betriebe, die solche Subunternehmen anstellen, sollen stärker bestraft werden, um den Anreiz von Scheinbeschäftigten zu mindern. Die Rechtslage soll staatenübergreifend angepasst werden, da die eigentlichen Vermittleragenturen im Ausland sitzen und diese die Arbeiter dann nach Deutschland vermitteln. Die Rechte der Arbeitnehmer in Problembereichen wie dem Bau, sollen gestärkt werden, um sich gegen Missstände wehren zu können.
