Zur Weiterleitung an: SPD-Landesparteitag, SPD-Landtagsfraktion
Kultur ist kein Luxus(gut), sondern ein Grundrecht und vor allem wesentlicher
Bestandteil unserer lebendigen und demokratischen Gesellschaft. Dennoch bleiben
viele
Jugendliche von kulturellen Angeboten ausgeschlossen, weil ihnen der Zugang zu
Kunst,
Theater, Musik und Museen durch finanzielle Barrieren erschwert wird. Diese soziale
Ungleichheit schränkt nicht nur individuelle Chancen ein, sondern trägt dazu bei,
dass Kulturinstitutionen ein Publikum ansprechen, das größtenteils von
privilegierten
Gesellschaftsgruppen geprägt ist und bei dem von Diversität überhaupt nicht die Rede
sein kann. Um dem entgegenzuwirken, braucht es ein niederschwelliges,
flächendeckendes und finanziell abgesichertes Angebot, das allen Jugendlichen den
Zugang zu Kultur ermöglicht. Kulturelle Teilhabe darf nicht vom Geldbeutel der
Eltern
oder der Herkunft abhängen, sondern muss für alle Jugendlichen gleichermaßen möglich
sein!
Wir fordern die Landesregierung auf, einen landesweiten Kulturpass einzuführen, der
allen Jugendlichen zum 16. Geburtstag 100 Euro für den freien Zugang zu Kunst,
Theater, Kino, Musik, Literatur, Museen und weiteren kulturellen Angeboten
bereitstellt. Dieser soll
analog zum Stuttgarter Kulturpass funktionieren und ebenfalls im Dialog mit
Jugendlichen konzipiert werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Angebot
ihren Bedürfnissen entspricht und die Begeisterung für kulturelle Angebote geweckt
wird. Außerdem kann er so besser an Kulturangebote im Land angepasst werden. Die
Finanzierung muss vollständig vom Land Baden-Württemberg übernommen werden, um eine
uneingeschränkte Nutzung und eine flächendeckende Umsetzung zu garantieren. So ist
er
unabhängig von dem Finanzierungsvorbehalt, an den der Kulturpass auf Bundesebene
gebunden ist und stärker an die Jugendlichen und an die Kultur im Land Baden-
Württemberg angepasst.
Ein Kulturpass ermöglicht es Jugendlichen aus allen sozialen und kulturellen
Hintergründen, Kultur aktiv zu erleben und mitzugestalten. Dies stärkt nicht nur die
soziale Gerechtigkeit und Teilhabe von Jugendlichen, sondern auch den Fortbestand
einer demokratischen kulturschaffenden Gesellschaft. So unterstützt der Kulturpass
auch Kulturschaffende oder kulturelle Institutionen, indem er neue Besucher*innen
akquiriert als auch zum Mitgestalten animiert. Denn kulturelle Angebote dürfen nicht
zum Elfenbeinturm für eine kleine, homogene Gruppe verkommen. Ein vielfältiges
Publikum sorgt für lebendige Diskurse und stärkt demokratische Werte. Deshalb muss
das Publikum breiter und diverser werden – weg von den „alten weißen Männern im
Anzug“, hin zu einem offenen, pluralen Publikum, das unsere vielfältige Gesellschaft
widerspiegelt. Der Kulturpass kann ein Schritt in diese Richtung sein.
