Den Sudan nicht vergessen – Sanktionen verschärfen, Hilfe finanzieren, Kriegsverbrecher zur Rechenschaft ziehen!


Zur Weiterleitung an: Juso-Bundeskongress, SPD-Landesparteitag, SPD-

 Bundestagsfraktion, Bundesregierung, SPD-Bundesparteitag

 Im Sudan tobt seit über einem Jahr ein brutaler Krieg zwischen rivalisierenden
 Milizen, der Millionen Menschen zur Flucht zwingt, eine massive Hungersnot ausgelöst
 und über 150.000 Tote verursacht hat. Inzwischen bezeichnet die UN diesen Krieg als
 eine der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit und warnt vor einem Genozid,
 nachdem es in einigen Gebieten bereits zu ethnischen Säuberungen gekommen ist.

 Die Eroberung der Stadt al-Fāschir durch die arabisch-nationalistische
 paramilitärische Miliz „Rapid Support Forces“ (RSF) am 26. Oktober 2025 stellt einen
 grausamen Höhepunkt der Gewalt in diesem Krieg dar. Über mehrere Wochen massakrierten
 und vergewaltigten die Kämpfer der RSF Tausende der 260.000 Zivilpersonen, die zu
 diesem Zeitpunkt noch in der Stadt eingeschlossen waren. Mehrere internationale
 Hilfsorganisationen wie Amnesty International oder Ärzte ohne Grenzen berichten von
 Massenerschießungen, Hetzjagden und Vergewaltigungen an Zivilist*innen. Dutzende
 Videos, die mutmaßlich von den Täter*innen selbst ins Internet gestellt wurden,
 zeigen, wie diese dabei lachen und die Opfer verspotten. Laut Satellitenaufnahmen
 wurden bis Ende Oktober bereits über 10.000 Menschen getötet, viele andere wurden
 verschleppt. Laut der Weltgesundheitsorganisation wurden allein in der Geburtsklinik 
 Saudi Maternity Hospital mehr als 460 Menschen von den RSF getötet.

 Als Jusos stehen wir laut und solidarisch hinter allen Zivilist*innen im Sudan und
 verurteilen die Gewalttaten in al-Fāschir und im restlichen Sudan zutiefst!

 Wir fordern, dass die RSF-Kämpfer, die für die rassistisch motivierten Angriffe auf
 Zivilpersonen verantwortlich sind, zur Rechenschaft gezogen werden. Das bestehende
 UN-Waffenembargo gilt bislang jedoch nur für die Region Darfur, obwohl der Krieg
 inzwischen das gesamte Land betrifft. Ein umfassendes Waffenembargo für den ganzen
 Sudan ist dringend notwendig, um den Zustrom an Waffen zu stoppen und die Gewalt
 einzudämmen. Um ein solches Waffenembargo wirksam durchzusetzen, braucht es scharfe
 Sanktionen und klare politische Konsequenzen für die Verantwortlichen.

 Wir fordern die Bundesregierung auf, sich auf europäischer und internationaler Ebene
 für die Ausweitung bestehender Waffenembargos im Sudan auf das gesamte Staatsgebiet
 einzusetzen. Es braucht gezielte Sanktionen gegen alle Akteur*innen, die zur
 militärischen Eskalation beitragen, insbesondere gegen die Führungspersonen der
 sudanesischen Armee (SAF) und der Rapid Support Forces (RSF) sowie gegen Staaten und
 Firmen, die nachweislich Waffenlieferungen ermöglichen oder finanzieren. Diese
 Sanktionen sollen in Form von Einreiseverboten, dem Einfrieren von Vermögenswerten
 und der Unterbindung wirtschaftlicher Zusammenarbeit verhängt werden.

 Insbesondere fordern wir die Bundesregierung auf, über Sanktionen Druck auf die
 Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) auszuüben, die die RSF trotz des Embargos mit
 Waffen unterstützen und damit direkt für die Gewalt mitverantwortlich sind.

 Schon vor dem Überfall auf al-Fāschir ist die internationale Hilfe im Sudan fast
 völlig zum Erliegen gekommen. UN-Organisationen haben sich weitgehend zurückgezogen
 oder erhalten keinen Zugang. Die Versorgung der Zivilbevölkerung übernehmen
 mittlerweile fast ausschließlich lokale Netzwerke wie die Emergency Response Rooms
 (ERRs). Diese Gruppen leisten medizinische Hilfe, evakuieren Menschen aus
 Kampfgebieten und organisieren Lebensmittelverteilungen – meist ehrenamtlich,
 unbewaffnet und mit extrem begrenzten Mitteln.

 Gerade weil die internationale Gemeinschaft in vielen Regionen nicht präsent ist,
 müssen gezielt diese lokalen Helfer*innen finanziell und politisch unterstützt
 werden. Gleichzeitig braucht es Druck auf die militärischen Führungen und ihre
 Unterstützer, um die Gewalt einzudämmen. Deutschland darf nicht tatenlos zusehen,
 wenn zivile Hilfe kriminalisiert und humanitäre Räume zerstört werden.

 Daher fordern wir die Bundesregierung auf, lokale zivilgesellschaftliche Strukturen
 im Sudan direkt und unbürokratisch zu unterstützen, insbesondere die Emergency
 Response Rooms, die unter hohem persönlichen Risiko humanitäre Hilfe leisten. Es
 braucht hierfür einen gezielten Fördertopf für lokale Akteur*innen, der auch ohne
 große internationale Organisationen zugänglich ist. Deutschland muss Verantwortung
 übernehmen und gezielt diejenigen unterstützen, die im Sudan vor Ort das Überleben
 sichern.