Zur Weiterleitung an die SPD-Landtagsfraktion
Wir fordern die Einführung eines verpflichtenden Antidiskriminierungsunterrichts für
alle Berufsgruppen, die in der Kinder- und Jugendarbeit sowie im Bildungs- und
Erziehungsbereich tätig sind. Besonders für diejenigen, die solch einen Unterricht
nicht im Rahmen ihrer Ausbildung erhalten. Dazu zählen insbesondere Lehrkräfte,
Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen sowie Fachkräfte der
offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Pädagogische Fachkräfte tragen eine zentrale Verantwortung im Umgang mit Vielfalt,
Diskriminierung und demokratischer Bildung. In ihrem Berufsalltag sind sie mit
menschenfeindlichen Haltungen, diskriminierenden Strukturen und extremistischen
Tendenzen konfrontiert. Um diesen professionell begegnen zu können, braucht es
gezielte Qualifizierung. Antidiskriminierungsarbeit darf nicht von persönlichem
Engagement abhängen – sie muss fester Bestandteil der beruflichen Ausbildung und
Praxis sein.
Antidiskriminierungsinhalte sollen verbindlich und altersgerecht in bestehende
Unterrichtsfächer – insbesondere in den Sekundarstufen I und II – integriert werden.
Ergänzend dazu sollen entsprechende Inhalte auch fester Bestandteil der Aus- und
Fortbildung pädagogischer Fachkräfte sein.
Der Unterricht soll folgende Inhalte umfassen:
- Grundlagen der Antidiskriminierungsarbeit: Vermittlung rechtlicher und
gesellschaftlicher Grundlagen, z. B. Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG),
Diskriminierungsformen und Schutzmechanismen. - Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Erkennen und Einordnen von
Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Sexismus, Ableismus, Klassismus
und weiteren Diskriminierungsformen im pädagogischen Kontext. - Sensibilisierung für Diskriminierung im Alltag: Reflexion eigener Haltungen und
Wahrnehmungen, Erkennen von Alltagsdiskriminierung und Mikroaggressionen im
Umgang mit Kindern, Jugendlichen, Kolleg*innen und Eltern. - Handlungskompetenz gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit: Konkrete
Interventionsstrategien, Gesprächsführung in Konfliktsituationen, Umgang mit
menschenfeindlichen Äußerungen oder Symbolen, Prävention von Radikalisierung. - Demokratische und inklusive Praxis: Förderung einer diskriminierungssensiblen,
demokratischen Bildungskultur, Schaffung sicherer Räume und Stärkung
gesellschaftlicher Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen.
