Zur Weiterleitung an die SPD-Bundestagsfraktion
Freiwilligendienste leisten einen essenziellen Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie
stärken das soziale Miteinander, fördern die persönliche Entwicklung junger Menschen
und entlasten soziale Einrichtungen. Dennoch ist ihre Zukunft gefährdet: Die Anzahl
der Bewerber*innen sinkt, finanzielle Kürzungen bedrohen tausende Stellen und die
soziale Ungleichheit in der Teilhabe wächst. Wir sehen in dieser Entwicklung eine
gefährliche Entwicklung zivilgesellschaftlichen Engagements. Wir setzen uns daher
für
eine tiefgreifende Reform und Stärkung des Freiwilligendienstes im Zivilbereich ein.
1. Faire Bezahlung für echte Leistung:
Die finanzielle Lage der Freiwilligendienstleistenden muss dringend verbessert
werden. Der aktuelle Dienst ist für viele junge Menschen mit erheblichen
finanziellen
Belastungen verbunden. Wir fordern daher eine deutliche Anhebung des Taschengeldes,
mindestens auf die monatliche Erwerbsgrenze von Minijobs. Darüber hinaus sollen
Unterkunft, Verpflegung und Mobilität nicht zu Lasten der Freiwilligen gehen. Die
öffentliche Hand muss den Einsatzstellen dafür ausreichende Mittel zur Verfügung
stellen.
2. Mehr Anerkennung und Verbindlichkeit:
Freiwilliges Engagement verdient mehr als symbolische Anerkennung. Wir fordern eine
institutionelle und gesellschaftliche Aufwertung des Freiwilligendienstes. Dazu
zählen die Anrechnung auf das Wartesemester bei der Studienplatzvergabe, Vorteile
bei
Bewerbungsverfahren im öffentlichen Dienst sowie eine rentenwirksame Anrechnung der
Dienstzeit.
3. Flexibilität schaffen:
Es braucht flexiblere Modelle, die sich stärker an den Lebensrealitäten junger
Menschen orientieren. Wir fordern die Möglichkeit, Freiwilligendienste in Teilzeit
zu
absolvieren, sowie flexiblere Laufzeiten zwischen sechs und achtzehn Monaten ohne
die
Angst keine Bescheinigung zu erhalten. Auch die Möglichkeit zum
Einsatzstellenwechsel
muss erweitert werden. Freiwilligendienstleistende sollten auch während ihres
Dienstes in der Lage sein, Arbeitsstellen zu wechseln um bspw. Einen differenzierten
Einblick in Arbeitsbereiche zu haben. Der Zugang zum Dienst soll durch
niedrigschwellige Bewerbungsverfahren erleichtert und digital unterstützt werden.
Dieses soll durch die Landkreise in Form einer „FWD-Börse“ unterstützt werden. Auf
dieser sollen alle verfügbaren Stellen ausgeschrieben werden und eine digitale
Bewerbung möglich sein.
4. Starke pädagogische Begleitung
Die Qualität des Freiwilligendienstes hängt maßgeblich von der pädagogischen
Begleitung ab. Wir fordern verbindliche Standards für regelmäßige Begleitung durch
qualifiziertes Personal, Reflexionsformate sowie Schulungsangebote während des
Einsatzes. Jeder Freiwillige soll einen feste Ansprechperson innerhalb der
Einsatzstelle haben. Diese Ansprechpersonen sollen durch Fortbildungen der Träger
oder des Kreises besser auf die Aufgabe als Anleiter vorbereitet werden und auch für
familiäre oder psychische Probleme der Freiwilligendienstleistenden vorbereitet
sein.
5. Ländliche Regionen stärken
Auch die strukturellen Unterschiede zwischen Stadt und Land müssen adressiert
werden.
Viele Einsatzstellen in ländlichen Regionen bleiben unbesetzt, obwohl dort der
Bedarf
oft besonders groß ist. Wir fordern daher Mobilitätszuschüsse wie die kostenlose
Nutzung des Deutschlandtickets oder eine Förderung für Dienstfahrräder. Regionale
Netzwerke zwischen Trägern, Schulen und Gemeinden sollen gestärkt werden um die
Verteilung von Freiwilligendienstleistenden zu koordinieren. Hier könnte auch die
oben genannte „FWD-Börse“ Abhilfe schaffen, die auch Arbeitsstellen in abgelegenen
Regionen aufführen soll.
6. Einheitliche Standards schaffen
Die Erfahrungen während des Freiwilligendienstes sind aufgrund der Beschaffenheit
von
Ländern, Regionen und Trägern sehr verschieden. Trotz dessen tragen alle hier
genannten Maßnahmen dazu bei den Freiwlligendienst für alle besser zu machen.
Deshalb
sollen diese Maßnahmen bundesweiter Standard für den Freiwilligendienst sein.
