Freiwillig, aber fair – für ein gerechteres FSJ 

Zur Weiterleitung an: Juso-Bundeskongress, SPD-Landesparteitag, SPD-
 Landtagsfraktion,

  SPD-Bundesparteitag, SPD-Bundestagsfraktion

  Freiwilligendienste wie etwa das FSJ oder auch der BFD leisten durchaus einen
  wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Etwa 10 % eines Jahrgangs
  entscheiden sich für einen Freiwilligendienst und viele engagieren sich in Kita,
  Schule, Pflege sowie auch Inklusion, also in Bereichen mit akutem Fachkräftemangel.

  Gerade auch die Freiwilligendienste sind oftmals für junge Männer in der Tat ein
  echter Türöffner. Mit ungefähr einem Drittel an männlichen Teilnehmern sind sie
  gerade dort klar stärker präsent als in sozialen Berufen im weiteren Verlauf. Das
 FSJ
  kann somit also Geschlechtergerechtigkeit im Sozialbereich fördern, wenn es
  attraktiv, gerecht vergütet und gut zugänglich gestaltet ist. Das ist aber
 heutzutage
  eben leider vielfach nicht der Fall.

  Die Option zum Absolvieren eines FSJ ist aktuell stark von der jeweiligen Lage der
  Familie abhängig. Auch Ihre finanzielle Situation spielt dabei mit Sicherheit eine
  Hauptrolle. Oft reicht das Gehalt nicht zum Leben, geschweige denn einen Haushalt
  unabhängig der Familie zu führen und obendrein fehlt kostenlose Mobilität für alle.
  Viele Freiwillige berichten zur gleichen Zeit davon, dass sie Aufgaben übernehmen,
  die eigentlich für Fachkräfte vorgesehen währen, jedoch sind sie deutlich schlechter
  bezahlt und nicht im gleichen Maße anerkannt.

  Freiwilligendienstleistende stellen keine Lösung für Personaldefizite dar, junge
  Erwachsene sind schließlich keine ausgebildeten Fachkräfte. Junge Menschen müssen
  Unterstützung erfahren, damit sie sich entwickeln können, um Berufe kennenzulernen,
  sowie auch, um ihr Engagement zu verstärken. Klare Regeln sind zugleich nötig, auch
  um vor allem dem Missbrauch von Freiwilligen als billige Ersatzkräfte vorzubeugen.

  Vor diesem Hintergrund fordern wir:

  Ausbau von Freiwilligendienstplätzen

  Freiwilligendienste müssen allen offenstehen, die sich engagieren wollen. Heute sind
  Plätze oft begrenzt. Deshalb braucht es einen deutlich stärkeren Ausbau,
 insbesondere
  in sozialen, ökologischen und demokratiestärkenden Bereichen.

  Damit verbunden fordern wir eine nachhaltige Finanzierung durch Land und Bund, die
  nicht bei Haushaltschwierigkeiten als erstes auf der Abschussliste stehe.

  Keine Debatte über ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr ohne gerechte und
  freiwillige Grundlage

  Bevor über Pflichtdienste diskutiert wird, muss sichergestellt sein, dass alle
 jungen
  Menschen ein freiwilliges Jahr machen können, ohne dass es vom Geldbeutel abhängt.
  Wer Freiwilligendienste verpflichtend machen will, ohne sie attraktiv und fair zu
  gestalten, nimmt soziale Ungleichheit in Kauf.

  Faire Bezahlung und soziale Absicherung

  Es soll eine gesetzliche Mindestvergütung von mindestens 520 € netto im Monat,
  steuer- und abgabenfrei eingeführt werden, mit Perspektive auf höhere Anpassung
  entsprechend Lebenshaltungskosten.

  Für Freiwillige mit eigenem Haushalt soll es Wohngeldzuschläge geben, sowie
  landesweite ÖPNV-Freifahrtregelungen für alle Freiwilligendienstleistenden.

  Freiwilligendienste als Bildungszeit gestalten und nicht als Ersatzarbeitskraft

  Tätigkeiten von Freiwilligen dürfen nicht Aufgaben von Fachkräften ersetzen, sondern
  müssen der individuellen Weiterentwicklung dienen.

  Es braucht ein klares Verständnis: Freiwillige unterstützen, aber sie tragen nicht
  allein ganze Arbeitsbereiche.

  Besonders in Bereichen wie Pflege oder Schule soll das FSJ motivieren, nicht
  abschrecken und das gelingt nur durch echte Wertschätzung und faire Strukturen.

  Transparenz und Schutz für Freiwillige stärken

  Es braucht niedrigschwellige, unabhängige Beschwerdestellen, bei denen Freiwillige
  Probleme melden können.

  Darüber hinaus muss es verbindliche Qualitätsstandards für Einsatzstellen,
  regelmäßige Evaluationen und Konsequenzen bei Missbrauch von Freiwilligen.