Pflege retten heißt Gesellschaft retten – für ein solidarisches, selbsttragendes Pflegesystem


Antragstellende KVen: Jusos Ortenau, Jusos Alb-Donau


 Zur Weiterleitung an: Juso-Bundeskongress, SPD-Landesparteitag

  Die Pflege in Deutschland steht kurz vor dem Kipppunkt. Pflegekräfte sind
 überlastet,
  unterbezahlt und unterbesetzt. Immer mehr Fachkräfte verlassen den Beruf – nicht,
  weil sie keine Lust mehr auf Menschen haben, sondern weil das System sie krank
 macht.
  Gleichzeitig explodieren die Eigenanteile für Pflegebedürftige, obwohl viele von
  ihnen ein Leben lang in die Pflegeversicherung eingezahlt haben. Das zeigt: Die
  sogenannte Teilkaskoversicherung funktioniert nicht. Sie ist ungerecht und
  unzureichend.

  Wir brauchen einen solidarischen Pflegefonds, in den alle einkommensabhängig
  einzahlen – auch Beamte, Selbstständige und Vermögende. Pflege darf keine Ware mehr
  sein, mit der Profite gemacht werden. Deshalb müssen Pflegeeinrichtungen
 schrittweise
  rekommunalisiert und in gemeinnützige Trägerschaft überführt werden. Pflege ist Teil
  der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht länger dem Markt überlassen werden.

  Gleichzeitig müssen die Arbeitsbedingungen in der Pflege endlich den realen
  Anforderungen angepasst werden. Eine 32-Stunden-Woche als neue Vollzeit, mehr
  Entscheidungsspielraum für Pflegekräfte, die Abschaffung unbezahlter
  Ausbildungszeiten und eine echte Durchlässigkeit im Beruf müssen selbstverständlich
  werden. Der Personalschlüssel muss sich am tatsächlichen Bedarf orientieren – nicht
  am Kassenetat. Digitalisierung darf nicht weiter Bürokratie erzeugen, sondern muss
  entlasten – durch automatisierte Dokumentation und intelligente Schnittstellen.

  Auch pflegende Angehörige brauchen echte Anerkennung. Rund die Hälfte aller
  Pflegebedürftigen in Deutschland wird zu Hause von Angehörigen gepflegt – meist
  unbezahlt, oft auf Kosten der eigenen Gesundheit, Karriere und finanziellen
  Sicherheit. Diese Menschen tragen das System mit, ohne dass es ihnen gedankt wird.
  Das Pflegegeld, das derzeit gezahlt wird, ist in vielen Fällen kein echter
  Lohnersatz, sondern bestenfalls ein symbolischer Tropfen auf den heißen Stein. Wir
  fordern daher eine deutliche Erhöhung des Pflegegeldes sowie einen Anspruch auf
  Lohnausgleich für pflegende Angehörige – orientiert an der Höhe des Elterngeldes.
 Wer
  Angehörige pflegt, verdient nicht nur Respekt, sondern konkrete Unterstützung.

  Pflege ist kein Nebenschauplatz. Sie betrifft uns alle – als Kinder, als Angehörige,
  als Patient*innen oder Pflegende. Wenn wir die Pflege nicht endlich ernsthaft
  reformieren, verlieren wir mehr als ein Berufsbild. Wir verlieren das Fundament
  gesellschaftlicher Solidarität. Deshalb sagen wir: Rettet die Pflege – jetzt und
  gemeinsam.

  Daher fordern wir den umfassenden Umbau des Pflegesystems in Deutschland hin zu
 einem
  solidarischen, öffentlich getragenen und nachhaltig finanzierten System, das
  Pflegekräfte entlastet, Pflegebedürftige schützt und gesellschaftliche Verantwortung
  gerecht verteilt.