Volle ePower für den Klimaschutz: Mit dem Verbrenner-Aus 2035 unsere Industrie retten!

Zur Weiterleitung an: SPD-Bundestagsfraktion, SPD-Landtagsfraktion, (Ober-
  )Bürgermeisterinnen, (Ober-)Bürgermeister und den Landrat der SPD in BW

  Eigentlich ist es schon beschlossene Sache, doch nun wird wieder daran gerüttelt: In
  der EU ist ab 2035 nur noch die Zulassung von emissionsfreien Autos erlaubt. Dieses
  sogenannte Verbrenner-Aus ist notwendig, um unsere Klimaziele rechtzeitig zu
  erreichen. Dabei dürfen wir nie vergessen, dass selbst unsere aktuellen Klimaziele
  bereits unzureichend und das Ergebnis weitgehender Zugeständnisse an fossile
  Interessen in den letzten Jahrzehnten sind: Einem Aufruf der Deutschen
 Physikalischen
  Gesellschaft (DPG) zufolge bewegen wir uns schon jetzt auf eine Klimaerwärmung um 3
  Grad zu – weit entfernt von den 1,5 Grad zu denen wir uns im Pariser
  Klimaschutzabkommen verpflichtet haben.

  Nachdem die Autoindustrie nun durch eine Kombination externer Faktoren und eigener
  Fehlentscheidungen in der Krise steckt, laufen konservative und neoliberale
  Interessen auch gegen diese Klimaziele Sturm.

  Selten war eine Debatte so entkoppelt von der politischen Realität: Vielerorts
 wurden
  wieder Stimmen laut, die jetzt Ausnahmen für E-Fuels fordern, obwohl solche bereits
  Teil des Kompromisses von 2023 sind. Während die EU-Kommission aktuell eigentlich in
  der Erarbeitung des rechtlichen Rahmens ist, der die Zulassungsmöglichkeit für
  garantiert rein mit E-Fuels betriebenen Verbrennern ab 2035 regeln soll, wird jetzt
  von konservativen eine reine Scheindebatte angezettelt, deren eigentliches Ziel ein
  anderes ist: Stimmung gegen Klimaschutz machen, Nachhaltigkeitsrichtlinien Angreifen
  und noch länger an fossilen Rendite-Sackgassen festhalten.

  Die aktuelle Debatte hat sich unterschwellig wieder in eine Debatte über das „Ob“
 der
  Mobilitätswende verwandelt: Das schadet der Investitionssicherheit und schwächt den
  Standort Deutschland nur weiter. Gerade Unternehmen, wie ZF am Bodensee oder Bosch
 im
  Herzen Baden-Württembergs, brauchen Klarheit. Im Falle von ZF, sorgt die
  Überinvestition in Elektromobilität für eine nie dagewesene Krise. Ein Festhalten an
  den aktuellen politischen Zielvorgaben ist nicht nur deshalb notwendig weil sie
  klimapolitisch geboten sind, sondern auch um die Industrie auf einen klaren
  Transformationspfad zu lenken und den Menschen das Maß an Halt und Sicherheit zu
  bewahren, das in dieser Transformationsphase unserer Gesellschaft überhaupt noch
  möglich ist. Letztlich ist das Festhalten auch notwendig, um die vielen
 Arbeitsplätze
  im Land zu sichern.

  Aktuell sind deutsche Elektroautos teuer und eher in der Mittel- und Oberklasse
  angesiedelt. Damit auch Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sich den
 Umstieg
  auf die Elektromobilität leisten können, braucht es zweierlei: Wir wollen auf der
  einen Seite, dass die deutschen Autobauer auch kleine, erschwingliche E-Autos bauen.
  Auf der anderen Seite braucht es staatliche Anreize, die den Kauf eines E-Autos
  vergünstigen. Die Vorschläge aus dem Bundeskabinett die KFZ-Steuerbefreiung für E-
  Autos auch nach Ablauf des Jahres weiter fortzuführen und eine Kaufprämie für E-
 Autos
  einzuführen, begrüßen wir ausdrücklich. Wir fordern, dass diese Maßnahmen schnell
  umgesetzt werden.

  Ein Grund für den zögernden Umstieg auf Elektromobilität, ist die Ungewissheit, wie
  das neue Gefährt betankt werden soll. Hier ist mit der Ladesäulenverordnung, die an
  jeder Ladesäule die Möglichkeit zur Kartenzahlung vorschreibt, schon viel passiert.
  Der Tarifdschungel bei den Ladepreisen für das Elektroauto muss der Vergangenheit
  angehören. Gerade bei den Stadtwerken, und der EnBW, die größtenteils in
 öffentlicher
  Verantwortung stehen, ist das Vorgehen beim sogenannten Adhoc-Laden unverständlich.
  Strompreise, die mehr als doppelt so hoch sind wie zuhause, wollen wir nicht
  hinnehmen. Wir fordern daher, die Möglichkeit einen Ladestromtarif abzuschließen,
 der
  an allen Ladesäulen eingesetzt werden kann. Dabei soll es eine Ladesäulenkomponente
  geben, die regionale Netzkosten berücksichtigt und zwischen AC- und DC-Laden
  unterscheidet.

  Bereits vor 2035 hat die EU Strafzahlungen für Automobilhersteller bei Nicht-
  Einhaltung von Flottengrenzwerten eingeführt. Diese Zahlungen dürfen nicht dazu
  führen, dass ein Automobilhersteller weniger in E-Mobilität und damit weniger in den
  Klimaschutz investiert. Als Kompromiss, der den Wandel tatsächlich stärkt, fordern
  wir daher nur dann auf Strafzahlungen zu verzichten, wenn sich der Hersteller dazu
  verpflichtet, das erlassene Geld direkt als Investition für die E-Mobilität zu
  verwenden. Die Politik muss ihr möglichstes tun, hierbei einen Fokus auf
  erschwingliche Modelle zu erwirken.

  Der Wandel der Branche stellt das Geschäftsmodell vieler Zulieferer grundlegend in
  Frage. Auch wenn die Umstellung zur E-Mobilität gelingt, wird das vielen KMU in
  Deutschland daher große Schwierigkeiten bereiten. Es braucht einen
  Transformationsfonds für die Zuliefererbranche, der mit Liquiditätshilfen und
  Investitionszuschüssen hilft Insolvenzen abzuwenden und die Transformation zu
  gestalten. Forschung und Qualifizierung müssen konsequenter gefördert werden. Eine
  bestmögliche Ansiedlung möglichst großer Teile der neuen E-Auto-Wertschöpfungskette
  und ein starker Heimatmarkt werden entscheidend für das Überleben der deutschen
  Autoindustrie sein.

  Wir fordern die SPD auf, sich klar zum Datum 2035 zu bekennen, um diese
 Scheindebatte
  endlich zu unterbinden. Mit einer mutigen Investitions- und Innovationspolitik
 können
  wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit einer Mobilitätswende nichts
 mehr
  im Wege steht. Viele Konzerne sind gerade dabei ihre selbst gesteckten
  Nachhaltigkeits- und Klimaziele wieder einzukassieren. Jetzt zu kapitulieren wäre
 ein
  Armutszeugnis für den Standort Europa.