Gen Z gehört nicht der Manosphere – Patriarchale Propaganda zerschlagen

Die aktuellen Ergebnisse einer internationalen Studie von Ipsos und dem Global
 Institute for Women’s Leadership am King’s College London sind ein deutliches
 Warnsignal: 31 % der befragten Gen-Z-Männer stimmen der Aussage zu, eine Ehefrau
 solle ihrem Ehemann gehorchen. 33 % meinen, ein Ehemann solle in wichtigen
 Entscheidungen das letzte Wort haben. 59 % der Gen-Z-Männer finden außerdem, Männer
 müssten zu viel für Gleichberechtigung tun. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass junge
 Männer in diesen Punkten teils deutlich patriarchalere Einstellungen vertreten als
 ihre Großväter.

 Für uns ist klar: Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern hat tiefere
 gesellschaftliche Ursachen. Sie ist Ausdruck fortbestehender patriarchaler
 Strukturen, die über soziale Normen, digitale Räume und gesellschaftliche
 Machtverhältnisse weitergegeben und reproduziert werden. Das Patriarchat prägt bis
 heute soziale Strukturen, kulturelle Normen und ökonomische Verhältnisse. Es schränkt
 die Freiheit von FINTA* ein, legitimiert Ungleichheit und Gewalt und zwingt zugleich
 auch Jungen und Männer in starre, normative und autoritäre Rollenbilder.

 Unser feministisches Verständnis ist intersektional, materialistisch und
 queerfeministisch. Unser Ziel ist es, sexistische Strukturen Schritt für Schritt
 zurückzudrängen und das Patriarchat langfristig zu überwinden. Wenn eine ganze
 Generation wieder stärker für antifeministische und patriarchale Erzählungen
 empfänglich wird, dann müssen wir politisch dort ansetzen, wo Prägung, Aufklärung und
 Schutz organisiert werden: in der Bildung, in digitalen Räumen und im Recht.

 Deshalb fordern wir:

 1. Präventive Kampagnen gegen patriarchale Strukturen an Schulen

 Wir fordern eine präventive Kampagne gegen jegliche patriarchale Strukturen und die
 Reflexion von Männlichkeitsnormen an Schulen. Schulen müssen Orte sein, an denen
 junge Menschen frühzeitig lernen, sexistische, antifeministische und autoritäre
 Geschlechterbilder zu erkennen und zurückzuweisen. Wer zukünftige Generationen
 schützen will, muss verhindern, dass patriarchale Denkmuster bereits in jungen Jahren
 normalisiert werden.

 2. Verbindliche Aufnahme von Awareness-Trainings in den Bildungsplan

 Wir fordern die verbindliche Aufnahme von Awareness-Trainings in den Bildungsplan.
 Diese sollen Schüler:innen dazu befähigen, antifeministische Propaganda, sexistische
 Frames und rückschrittliche Geschlechterbilder zu erkennen, kritisch zu hinterfragen
 und einzuordnen. Wir brauchen Räume, in denen Jungen lernen, Unsicherheit, Frust und
 Identitätsfragen nicht nach rechts und antifeministisch aufzulösen, sondern
 solidarisch und demokratisch. Männer müssen ihre Rolle im Patriarchat reflektieren,
 statt sich als Opfer von Gleichstellungspolitik zu verstehen. Gerade vor dem
 Hintergrund der Studienergebnisse ist klar: Gleichberechtigung darf nicht als
 selbstverständlich vorausgesetzt werden, sondern muss aktiv politisch verteidigt und
 pädagogisch aufgearbeitet werden.

 3. Konsequentes Social-Media-Monitoring

 Wir fordern ein konsequentes Social-Media-Monitoring, um antifeministische,
 sexistische und misogyne Narrative sowie digitale Radikalisierungsdynamiken
 frühzeitig sichtbar zu machen und einer viralen Verbreitung entgegenzuwirken. Wenn
 patriarchale Propaganda und antifeministische Erzählungen in digitalen Räumen
 massenhaft verbreitet werden, braucht es Strategien, um diese Entwicklungen zu
 erkennen, einzuordnen und ihnen entgegenzutreten. Hass gegen FINTA*, Antifeminismus
 und die Bewerbung eines rückständigen Rollenbildes dürfen im Netz keinen Raum
 einnehmen. Die Studienergebnisse machen deutlich, dass antifeministische
 Einstellungen keineswegs überwunden sind, sondern in Teilen einer jungen Generation
 erneut an Zustimmung gewinnen. Wir fordern deshalb von den Betreibern die Anpassung
 der Algorithmen, damit antifeministische Inhalte sich nicht weiter verbreiten.

 4. Gleichberechtigung nützt allen

 Es muss klar sein: Nicht nur FINTA* profitieren von echter Gleichberechtigung und vom
 Aufbrechen normativer Geschlechterrollen. Auch Jungen und Männer leiden unter
 patriarchalen Männlichkeitsanforderungen, unter Dominanzzwang, emotionaler Verengung
 und dem Druck, sich Härte und Kontrolle unterordnen zu müssen. Eine feministische
 Gesellschaft ist deshalb keine Einschränkung für Männer, sondern eine Befreiung aller
 Menschen von patriarchalen Rollenzwängen.

 5. Rechtlichen Schutz von FINTA* und Betroffenen ausbauen

 Wir fordern den Ausbau des rechtlichen Schutzes von FINTA* und allen Betroffenen
 patriarchaler Gewalt. Dafür wollen wir insbesondere das 
Gesetz über digitale Dienste
 (Digital Services Act) 
reformieren. Antifeministische und patriarchale Ideologien
 bleiben nicht folgenlos, sondern schlagen sich in Diskriminierung, Einschüchterung
 und Gewalt nieder. Der Schutz sexueller Selbstbestimmung und körperlicher
 Unversehrtheit muss deshalb konsequent gestärkt werden.