Für eine Wirtschaft im Dienst der Vielen: Gute und sichere Arbeit im Mittelpunkt!

Weiterleitung an: SPD Landesparteitag, Bundesparteitag

 Für eine Wirtschaft im Dienst der Vielen: Gute und sichere Arbeit im Mittelpunkt!

 Wenn die Wirtschaftspolitik nicht den Menschen im Blick hat, ist sie schlicht
 verfehlt. Die Landtagswahl ist nun vorbei, doch die Probleme im Land bleiben. Nach 10
 Jahren Arbeitsverweigerung der CDU im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg steht
 fest: Zu lange ausgeruht, zu wenig für die Menschen in unserem Land geleistet.

 Wir fordern echte Veränderung und Verbesserung von der neuen Landesregierung, damit
 das Leben wieder bezahlbar und Arbeit gerecht und sicher entlohnt wird. Auch aus der
 Opposition heraus kämpfen wir immer für die Arbeitsplätze der Vielen und nicht für
 die Profite der Wenigen!

 An diesem Anspruch richten wir unser politisches Handeln aus, auch und gerade nach
 der verlorenen Landtagswahl.

 Mehr Demokratie in der Wirtschaft wagen – Betriebliche Mitbestimmung stärken

 Unser Staat und unsere Zivilgesellschaft sind – zurecht – demokratisch organisiert,
 denn die Kraft der Demokratie und Macht der Beteiligung ist unsere Stärke. Wieso
 nutzen wir das nicht auch mehr in unserer Wirtschaft? Dort, wo alle für Erfolg und
 Gewinn arbeiten, müssen auch alle umfänglich an Entscheidungen beteiligt werden.

 Ein Ausbau der wirtschaftlichen Mitbestimmung ist überfällig. Während Betriebsräte in
 sozialen Angelegenheiten bereits über starke Mitbestimmungsrechte nach § 87 des
 Betriebsverfassungsgesetz verfügen, beschränken sich ihre Rechte in wirtschaftlichen
 Fragen bislang weitgehend auf Information und Beratung. Angesichts der tiefgreifenden
 Auswirkungen wirtschaftlicher Entscheidungen auf Beschäftigte, vor allem in der
 laufenden Transformation, ist dieses Ungleichgewicht nicht länger hinnehmbar.

 Wir fordern daher, die wirtschaftliche Mitbestimmung von Betriebsräten deutlich zu
 stärken und schrittweise an das Niveau sozialer Angelegenheiten anzunähern.
 Betriebsräte müssen bei zentralen wirtschaftlichen Entscheidungen, etwa bei
 Investitionen, Umstrukturierungen oder Standortfragen, ein echtes Mitbestimmungsrecht
 erhalten. Ziel ist es, die Interessen der Arbeitnehmer*innen gleichberechtigt in
 unternehmerische Entscheidungen einzubringen und so eine demokratische und sozial
 gerechtere Wirtschaft zu gestalten.

 Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt verändert nicht nur
 Arbeitsprozesse, sondern auch die Kommunikation innerhalb von Betrieben grundlegend.
 Immer mehr Beschäftigte arbeiten mobil oder im Homeoffice und sind über klassische
 Wege im Betrieb kaum noch erreichbar. Damit Gewerkschaften ihrer Aufgabe weiterhin
 wirksam nachkommen können, müssen sie auch im digitalen Raum Zugang zu den
 Beschäftigten erhalten.

 Wir fordern daher die Schaffung und rechtliche Absicherung umfassender digitaler
 Zugangsrechte für Gewerkschaften. Diese sollen insbesondere den Zugang zu
 betrieblichen E-Mail-Systemen, Intranets und weiteren digitalen
 Kommunikationsplattformen umfassen sowie die Möglichkeit eröffnen, Beschäftigte zu
 digitalen Versammlungen einzuladen und zu informieren.

 Die Koalitionsfreiheit nach Artikel 9 Absatz 3 des Grundgesetz muss auch im digitalen
 Zeitalter uneingeschränkt gelten. Nur so kann sichergestellt werden, dass
 Arbeitnehmer*innen ihre Interessen wirksam organisieren und vertreten können,
 unabhängig davon, wo und wie sie arbeiten.

 Vorwärts für die nächsten Generationen

 Wir fordern die Einführung einer umlagefinanzierten Ausbildungsgarantie, die
 sicherstellt, dass jeder junge Mensch einen Ausbildungsplatz erhält. Dafür sollen
 alle Unternehmen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit in einen gemeinsamen Fonds
 einzahlen, während ausbildende Betriebe finanziell entlastet und unterstützt werden.
 Zusätzlich fordern wir einen fairen finanziellen Ausgleich für die Arbeit von
 Auszubildenden in Form des Mindestlohns, der vom gemeinsamen Fond getragen wird. So
 wird die Ausbildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe fair verteilt und attraktiver
 gemacht. Wenn betriebliche Plätze nicht ausreichen, müssen außerbetriebliche Angebote
 greifen, mit dem klaren Ziel, junge Menschen schnell in reguläre Ausbildung zu
 integrieren. Damit schaffen wir mehr Gerechtigkeit, sichern den Fachkräftenachwuchs
 und geben allen Jugendlichen eine verlässliche Perspektive.

 Darüber hinaus fordern wir eine verbindliche unbefristete Übernahme von
 Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung, ohne erneute Probezeit.
 Wer seine Ausbildung besteht, hat bewiesen, dass er oder sie die Anforderungen des
 Berufs erfüllt und muss eine verlässliche berufliche Perspektive erhalten.
 Befristungen direkt im Anschluss an die Ausbildung führen zu Unsicherheit und
 erschweren die Lebensplanung junger Menschen. Eine garantierte unbefristete Übernahme
 stärkt hingegen die Attraktivität der Ausbildung, bindet Fachkräfte langfristig an
 Betriebe und ist ein wichtiger Beitrag zu fairen Arbeitsbedingungen.

 Die Benachteiligung dualer Studierender muss aufhören. Wir fordern gleiche Rechte für
 dual Studierende wie für Auszubildende. Insbesondere bei Vergütung, Mitbestimmung und
 sozialer Absicherung. Dual Studierende leisten einen gleichwertigen Beitrag in
 Betrieben und verdienen daher auch die gleichen Schutz- und Arbeitsstandards.
 Gleichzeitig lehnen wir Bindungsklauseln entschieden ab, die Absolvent*innen
 verpflichten, über Jahre im Unternehmen zu bleiben oder andernfalls hohe
 Rückzahlungen leisten zu müssen. Solche Regelungen schränken die berufliche Freiheit
 ein und sind mit fairen Arbeitsbedingungen nicht vereinbar.

 Am Ende ist klar: Wer gute Arbeit will, muss sie auch politisch durchsetzen und
 endlich ins Handeln kommen. Zu lange wurde zugeschaut, wie Unsicherheit, Lohndumping
 und Ungleichheit zur Normalität wurden. Damit ist Schluss. Wir stehen für eine
 Wirtschaft, die den Menschen dient – nicht umgekehrt. Denn Fortschritt entsteht nicht
 durch Abwarten, sondern durch entschlossene Politik.