Zur Weiterleitung: zum Juso-Bundeskongress, SPD-Landesparteitag
Kostenpflichtige Lootboxen sind ein in vielen modernen Videospielen implementiertes
System, bei dem Spieler*innen gegen Echtgeld virtuelle „Überraschungspakete“
erwerben
können, deren genauer Inhalt vor dem Kauf unbekannt ist. Diese Mechanismen weisen
alarmierende Ähnlichkeiten zu Glücksspielen auf und bergen insbesondere für junge
Menschen erhebliche Risiken.
Die psychologischen Mechanismen, die Lootboxen zugrunde liegen – wie der Reiz des
Zufalls, die Hoffnung auf seltene und wertvolle Gegenstände sowie die Angst, etwas
zu
verpassen (Fear of Missing Out, FOMO) – können zu exzessivem Konsum und im
schlimmsten Fall zu suchtähnlichem Verhalten führen. Gerade junge Menschen, deren
Urteilsvermögen und Impulskontrolle noch nicht vollständig ausgereift sind, sind
hier
besonders gefährdet.
Die aktuelle Rechtslage in Deutschland ist in Bezug auf Lootboxen nicht eindeutig.
Während einige Stimmen argumentieren, dass es sich um Glücksspiel handelt und somit
dem Glücksspielstaatsvertrag unterliegen sollte, sehen andere sie als Teil des
Videospiels und somit nicht regulierungsbedürftig. Diese Grauzone ist unbefriedigend
und bietet keinen ausreichenden Schutz für Kinder und Jugendliche.
Die Erfahrungen anderer europäischer Länder zeigen, dass ein Verbot von
kostenpflichtigen Lootboxen möglich und sinnvoll ist. Belgien und die Niederlande
haben bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen, um ihre Bürger*innen vor den
potenziellen Schäden dieser Mechanismen zu schützen. Auch in Österreich gab es
Gerichtsurteile, die Lootboxen als Glücksspiel einstuften.
Forderungen:
1.Ein bundesweites Verbot von kostenpflichtigen Lootboxen in Videospielen. Dieses
Verbot soll alle Spiele umfassen, die in Deutschland verkauft oder zugänglich
gemacht
werden.
2. Eine klare gesetzliche Einstufung von kostenpflichtigen Lootboxen als
Glücksspiel.
Dies würde die Anwendung des Glücksspielstaatsvertrages ermöglichen und somit einen
umfassenden Schutz gewährleisten.
3. Die Stärkung der Aufklärung über die Risiken von Lootboxen, insbesondere für
Eltern und junge Menschen.
4. Die Förderung von alternativen Monetarisierungsmodellen in der
Videospielindustrie, die nicht auf glücksspielähnlichen Mechanismen beruhen.
5. Der Einsatz von verschleiernden In-Game-Währungen, die mit Echtgeld gekauft
werden müssen, und den tatsächlichen Echtgeldwert von Käufen unklar machen, wird
verboten.
6. Die Unterstützung von Initiativen auf europäischer Ebene, die auf eine
einheitliche Regulierung von Lootboxen abzielen.
Begründung
Ein Verbot von kostenpflichtigen Lootboxen in Videospielen ist aus sozialpolitischer Sicht dringend geboten, um:
Kinder und Jugendliche vor den Gefahren glücksspielähnlicher Mechanismen zu schützen.
Suchtprävention zu betreiben und exzessivem Konsum entgegenzuwirken.
Die Integrität des Glücksspielrechts zu wahren und eine klare Abgrenzung zu schaffen.
Die Transparenz und Fairness im Umgang mit digitalen Gütern zu erhöhen.
Den Druck von jungen Menschen zu nehmen, an diesen potenziell schädlichen Systemen teilzunehmen.
