Zur Weiterleitung an die SPD-Landtagsfraktion.
Die Versammlung möge beschließen:
Die Jusos und die SPD BW setzten sich für einen Ausbau und eine Weiterentwicklung
der
Schafhaltung in Baden-Württemberg ein. Dies ist auch im Sinne des Papieres
„Weiterentwicklung der Schafhaltung in BW zur Sicherung ihrer vielfältigen
Funktion“,
das im Januar 2010 vom Landesministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und
Verbraucherschutz sowie vom Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg veröffentlicht
wurde.
Diese Förderung soll umfassend sein und die bestehenden Probleme der Schafhaltung
angehen. Zentral sollen vor allem folgende Punkte sein:
1. Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Wollproduktion.
Die Produktion von Wolle ist für Schafhalter lange nicht mehr wirtschaftlich, dies
muss sich dringen ändern. Möglich wäre die zum Beispiel durch eine Förderung
regionaler Wollverarbeitungsketten, so könnte die ganze Wollproduktion regional an
einem Ort stattfinden. Denkbar wäre hier ein Ausbau der Zusammenarbeit von
Schafhalter mit Textilunternehmen. Direkt daran anknüpfend brauch es einen Ausbau
der
Direktvermarktung, sowohl der Wolle, als auch ihrer Endprodukte. Auch hier brauchen
die Schafhalter die Unterstützung des Landes. Essentiell ist es auch neue
Absatzmärkte für Schafwolle zu schaffen, damit diese nicht schlicht durch die
Konkurrenz zu billigeren Textilstoffen untergeht. Hier geht es vor allem um eine
Förderung des Marktes für Schafwolle als natürliches Düngemittel, aber auch im
Bereich des Dämmmaterials. Der zentralste Punkt in Sachen Förderung der
Wollproduktion ist aber die Senkung der Schurkosten. Möglich wäre hier zum Beispiel
eine Schurprämie, also eine Subvention pro geschorenes Schaf.
2. Nachwuchsförderung
Wie in vielen Berufen herrscht auch unter Schafhalter Nachwuchsmangel. Die Gründe
dafür sind vielseitig und komplex, aber durch gezielte Förderung kann man auch hier
einiges bewegen. Ein gutes Vorbild kann hier bei das ProudFarm Projekt aus
Griechenland sein. Hierbei erhalten junge angehende Landwirte eine maßgeschneiderte
Managementberatung, kontinuierliche Schulungen, sowie die Möglichkeit zur Nutzung
bestehender landwirtschaftlicher Infrastruktur. Dies zeiht sich meist über drei
Jahre, während denen die jungen Landwirte fortlaufen in ihre Herden investieren.
Dadurch haben sie viel bessere Chancen ihren Start erfolgreich zu gestalten und
einen
funktionierenden Betrieb zu schaffen. Eine Förderung dieser Art wäre auch in Baden-
Württemberg gut, um jungen Menschen die Bedenken zu nehmen und sie zur Schafhaltung
zu führen.
3. Gestaltung der Zukunftsfähigkeit der Schafhaltung
Auch vor der Schafhaltung machen die Zukunft und die Entwicklungen, die sie mit sich
bringt, keinen Halt. Gerade in einer ohnehin schon schwächelnden Brache wie der
Schafhaltung, ist es daher wichtig, dass die Betriebe nicht auf sich alleine
gestellt
sind. Es braucht hier eine starke Innovationsförderung. Eine finanzielle
Unterstützung ist hierbei genau so wichtig, wie die Weiterbildung der Schafhalter,
damit diese z.B. von modernen Weidemanagement Systemen oder digitaler
Tierüberwachung
profitieren können. Hierbei besteht die Möglichkeit die Schafwirtschaft in Sachen
Tierwohl und Management auf ein neues Level zu heben. Essentiell ist in Hinsicht der
Zukunftsfähigkeit aber vor allem der Herdenschutz. Auch hier braucht es eine breite
Förderpalette von simpler Subventionierung von Schutzzäunen und -hunden bis zur
Förderung von innovativem Herdenschutz, wie zum Beispiel durch trackingfähige
Halsbänder wie in Niedersachsen. Hierbei gilt auch, je besser der Herdenschutz desto
weniger Wölfe werden abgeschossen.
4. Information und Marketing
Dieser letzte wichtige Punkt beinhaltet gleich zwei Seiten. Zum einen gilt es
nämlich
das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Schafhaltung und für die Qualität ihrer
Produkte in der Gesellschaft zu schärfen. Daher gilt es das Marketing für die
Schafhaltung auch auf der Ebene des Landes Baden-Württemberg massiv auszubauen. Zum
anderen ist es wichtig, dass die Schafhalter wissen, welche Fördermöglichkeiten
ihnen
zur Verfügung stehen. Das heißt es gilt hier noch stärker darauf zu achten, dass die
Informationen über die Förderung auch wirklich bei den Schafhaltern ankommen. Auch
hier ist das Land in der Pflicht.
Begründung
Was hat Baden-Württemberg mit Neuseeland, Schottland und Irland gemeinsam? – Richtig, Schafe. Aktuell leben in BW 210.000 Schafe und beweiden dabei 50.000 Hektar und sie sind eigentlich nicht aus der wunderschönen Landschaft von BW wegzudenken. Allerdings ist die Schafhaltung mittlerweile sehr gefährdet. Die hohen Schurkosten im Vergleich zum niedrigen Wollpreis (Kosten Schur 2-4€ pro Schaf, Ertrag Wolle pro Schaf 30-50 ct) sorgen dafür, dass die Schafhaltung zunehmend an Wirtschaftlichkeit verliert. Zudem kommt ein massiver Nachwuchsmangel und das Problem des schwierigen Herdenschutzes, der durch die Rückkehr des Wolfes immer wichtiger wird. Durch all diese Probleme müssen immer mehr Schafhalter ihren Betrieb aufgeben. Doch Schafe sind nicht nur ein wichtiges Kulturgut, sie leisten einen essentiellen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz. Schafe pflegen durch ihre Beweidung artenreiche Magerwiesen, Wacholderheiden und Steillagen. Vergleicht man die Landschaftspflege durch Schafe mit der durch Maschinen ergibt sich Erstaunliches. Die Vorteile der Schafe sind nämlich immens. Schafe sind deutlich besser für die Biodiversität, erreichen viel mehr schwierige Stellen, verdichten weniger den Boden, haben eine deutlich bessere CO2-Billanz, die Pflegewirkung ist besser und sie haben zudem eine bessere kulturelle und touristische Wirkung. Somit sind Schafe in der Landschaftspflege so etwas wie Symbole für Umweltverträglichkeit und gleichzeitig Tierwohl. Doch Schafe sind nicht nur essentiell bei der Landschaftspflege, sie liefern auch ein herausragendes Produkt: Wolle. Denn obwohl der Wollpreis erschreckend niedrig ist, hat Schafwolle immens viele gute Eigenschaften. Schafwolle ist natürlich, biologisch abbaubar, klimafreundlich, erneuerbar, langlebig, recyclebar, schwer entflammbar, selbstreinigend durch das Lanolin, feuchtigkeitsregulierend, thermoregulierend und zudem sehr vielseitig einsetzbar. Dies alles zeigt, das Schaf ist unfassbar wertvoll. Es ist von großer Bedeutung, das die Zukunft der Schafhaltung gesichert ist. Dafür braucht es einen Ausbau und eine Weiterentwicklung der bisherigen Förderung, damit es im Ländle auch weiterhin fröhlich blökt.
Quellen:
– Schafe in der Landschaftspflege – Infodienst – Ländlicher Raum
– Schutz vor Wölfen: Niedersachsen gibt vier Millionen Euro für Pauschalprämie | NDR.de – Nachrichten – Niedersachsen
– Nutztierhaltung: Förderungen in der Schafhaltung
– US-Landwirte vermieten Schafe als Rasenmäher für Solaranlagen | Reuters
– Förderprogramme unterstützen Schäfereien: Beteiligungsportal Baden-Württemberg
– Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich – Wikipedia
– Vorteile und Eigenschaften von Schafwolle – Woolville.de
– Schurwolle in der Modeindustrie: Trends und Innovationen – Zeitfäden
– Schafwolle: Tierschutz- und umweltrelevant
– Nachhaltige Praktiken | Lehner Wool
– Darum ist Schafwolle als Dämmstoff umweltfreundlich und nachhaltig | wlw.de
– Schafe als Landschaftspfleger: Biostation
– Schafe: Landschaftsgestalter – Schafe – Haustiere – Natur – Planet Wissen
– Thuenen: Biotoppflege mit Ziegen und Schafen
– Nutztierhaltung: Beweidung mit Schafen fördert die Biodiversität
– Ökologische Landschaftspflege – Fuchs & Zackel
– Naturschutz durch Schafbeweidung | BFN
– ChatGPT
– Technologien in der Landwirtschaft | Future Markets Magazine
– Die Seite wurde nicht gefunden | Ökolandbau
– InnoHerd – Georg-August-Universität Göttingen
– Nutztierhaltung: Schafe: Klimawandel und Hitzestress
– Weiterentwicklung der Schafhaltung in Baden-Württemberg: N! Strategie
– Abschlussbericht_Schafhaltung.pdf
– RhönWollets – Schafwollpellets aus der Rhön | Biosphärenreservat Rhön
– Albwolle – weiches aus Alpaka
– Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg e.V. – www.schaf-bw.de
