Juso-Schüler*innen- und Auszubildenden-Gruppe BadenWürttemberg (Juso Landesverband Baden-Württemberg)
Die Versammlung möge beschließen:
Finanzielle Unterstützung für Schülerinnen aus sozial schwachen Familien
Bildungschancen hängen immer noch von der sozioökonomischen Herkunft der Eltern und
deren Geldbeutel ab. Als Sozialdemokratinnen fordern wir gleiche Chancen in der
Schule für alle, unabhängig vom Elternhaus.
Das Land soll auch Schülerinnen aus ökonomisch & sozial schwachen Familien bei der
Teilnahme an Schulveranstaltungen und bei der Finanzierung von Nachhilfe Angeboten,
Schulmaterial und Ähnlichem unterstützen, die zwar keinen Anspruch auf Leistungen aus
dem Bildungs- und Teilhabepaket haben, bei denen aber trotzdem zu wenig Geld für
Bildung und Schulleben übrig bleibt.
In Anbetracht einer digitaler werdenden Schulbildung ist es essentiell, dass niemand
zurückgelassen wird. Dort wo digitale Endgeräte bereits im Unterricht eingesetzt
werden, ist sicherzustellen, dass alle Schülerinnen Zugang zur Mitwirkung haben.
Die Familien der Schülerinnen müssen Unterstützung bei der Beantragung
entsprechender Mittel behalten, falls eine Sprachbarriere vorliegt. Des Weiteren
sollen den Antragsformularen Ausfüllhilfen in leichter Sprache beiliegen.
Lernen ohne Barrieren
Noch immer haben wir in Schulen keinen richtigen Umgang mit der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS).
Oft endet die Förderung schon nach ein bis zwei Jahren, obwohl die betroffenen Schülerinnen
bis dahin noch nicht gelernt haben, angemessen mit ihrer Schwäche im Schulalltag
umzugehen. Dyskalkulie hingegen ist weitgehend unbekannt, weshalb es kaum
Förderprogramme oder ausreichende Unterstützung in den Schulen gibt.
Ohne Förderangebote schließen wir Schülerinnen strukturell von
gleicher Teilhabe am Unterricht aus. Deshalb ist es unerlässlich, betroffene
Schülerinnen individuell zu unterstützen. Sie müssen die Möglichkeit haben,
zusätzliche Förderangebote durch geschulte Lehrkräfte in der Schule zu nutzen. Diese
Schwächen müssen auch im regulären Unterricht berücksichtigt werden, sowohl in der
Unterrichtsplanung als auch in der Notengebung. Niemand darf zu kurz kommen!
Es ist auch wichtig, Eltern, Schülerinnen und Lehrkräfte über Dyskalkulie und LRS zu
informieren und zu sensibilisieren. Schulweite Aufklärungskampagnen können dazu
beitragen, Vorurteile abzubauen und die Akzeptanz für betroffene Schülerinnen zu
erhöhen. Durch umfassende Aufklärung und gezielte Fördermaßnahmen können wir
sicherstellen, dass alle Schüler*innen die gleiche Chance auf Bildung und persönliche
Entwicklung erhalten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bereitstellung von Technologie gestützten
Lernhilfen, wie spezielle Software und Apps, die auf die Bedürfnisse von
Schüler*innen mit LRS und Dyskalkulie zugeschnitten sind. Diese Hilfsmittel können
den Lernprozess erleichtern und individuell anpassen.
Sprache für die Zukunft
Immer mehr Schülerinnen
Immer mehr SchülerInnen haben Probleme mit Schreiben, Lesen und Textverständnis, das belegt die PISA Studie
eindeutig. Daher braucht es endlich ein gezieltes Programm zur Förderung von genau
diesen Kompetenzen. Diese Programme sollen sowohl die sprachliche Basisförderung als
auch gezielte Unterstützung im Fachunterricht und in der Alltagskommunikation
umfassen. Die Programme müssen flexibel gestaltet sein, um unterschiedliche Lernstile
und -Geschwindigkeiten zu berücksichtigen. Gleichzeitig gibt es immer mehr
Schülerinnen, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen. Häufig sind diese Kinder
und Jugendlichen mit Vorurteilen und Stigmatisierungen konfrontiert. Daher ist es
zwingend erforderlich, dass Lehrkräfte regelmäßig in interkultureller Kommunikation
und Sprachförderung geschult werden. Diese Schulungen fördern ein besseres
Verständnis für die Herausforderungen nicht-muttersprachlicher Schülerinnen und
ermöglicht es den Lehrkräften, effektive Unterstützungsstrategien im Unterricht
umzusetzen. Die Schulungen sollen auch Methoden umfassen, wie eine positive
Lernumgebung geschaffen werden kann, die sprachliche Unterschiede als Stärke
anerkennt. Ein weiteres zentrales Element ist die Entwicklung von Tandem60 Lernprogrammen. In diesen Programmen sollen Schülerinnen die Möglichkeit bekommen,
sich gegenseitig zu unterstützen. Dies kann durch unterschiedliche Aufgaben wie etwa
Lesetraining, durch lautes gegenseitiges Vorlesen geschehen. Solche Tandem-Programme
fördern nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch das soziale Miteinander
und die Integration. Zusätzlich müssen Schulen mit mehrsprachigen Büchern,
digitalen Lernmitteln und Sprachlernsoftware ausgestattet werden. Der Zugang zu
Fachberatern, die Unterstützung bei der Implementierung und Evaluierung von
Sprachfördermaßnahmen bieten, muss ebenfalls gewährleistet sein. Diese Fachberater
können Lehrkräften und Schüler*innen wertvolle Unterstützung bieten und
sicherstellen, dass die Fördermaßnahmen effektiv und nachhaltig sind.
Ausbau der Schulsozialarbeit
Nicht erst,
aber besonders während der Pandemie, konnten wir sehen, dass viele Schülerinnen mehr
mentale Unterstützung brauchen. Ob Stress in den eigenen Familien, Mobbing oder die
Angst, mit dem Lernstoff nicht mitzukommen – es gibt viele Gründe, weshalb wir eine
starke Schulsozialarbeit brauchen.
Deshalb fordern wir, dass das Land die finanzielle Unterstützung für die
Schulsozialarbeit weiter aufgestockt und gegebenenfalls selbst Träger der
Schulsozialarbeit wird, wo der Schulträger dies nicht stemmen kann. Ziel soll es
sein, flächendeckend Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Schülerinnen
bereitzustellen.
Darüber hinaus sollen die betroffenen Schüler*innen ebenfalls auf außerschulische
Unterstützungsangebote, beispielsweise der freien Wohlfahrtsverbände, aufmerksam gemacht werden. Dazu sollten Schulen und Schulträger wo möglich und nötig mit
Partnern in der Jugendsozialarbeit zusammenarbeiten. Weiterhin sollen
Schulsozialarbeiter*innen einen breiten Zugang zu Schulungen und Fortbildungen
erhalten, um den pädagogischen und psychologischen Standards ihres Berufs fortlaufend
gerecht bleiben zu können.
Die Schulsozialarbeit muss als wichtiger Bestandteil des schulischen Lebens mehr
Anerkennung und Förderung bekommen und darf kein bloßes Anhängsel der schulischen
Verwaltung sein.
Beratungsstellen für Azubis schaffen
Betriebsräte und Jugend- und
Auszubildendenvertretungen sind gute Ansprechpartner für Probleme oder Fragen im
Betrieb. Wenn es aber darüber hinaus über wichtige Fragen um den eigenen
Ausbildungsweg geht, ist es auch wichtig, gut beraten zu werden. Deshalb sollen von
den Industrie- und Handels- sowie den Handwerkskammern Ansprechpersonen benannt
werden, die einem bei Themen wie den Ausbildungswechsel, Diskriminierung am
Arbeitsplatz oder ähnlichem zur Seite stehen. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass
dieses Angebot keinesfalls eine Konkurrenz zum Betriebsrat, der JAV oder den
Gewerkschaften darstellen soll.
Besser Austattung an Berufsschulen
Auch Berufsschulen müssen auf den
neuesten Stand gebracht werden, dafür braucht es vor allem moderne technische
Ausstattung, wie WLAN, Laptops, Beamer und vieles mehr. Doch nicht nur an der
Digitalisierung muss gearbeitet werden, auch braucht es Renovierungen, die viel zu
oft auf der Strecke bleiben. Die Berufsschulen müssen saniert werden, um klimatische
Schwankungen zwischen zu warm im Sommer und zu kalt im Winter zu verhindern, um so eine angenehme Lernatmosphäre für alle zu schaffen. Darüber hinaus soll der
Unterricht auch digitaler und zugänglicher für alle werden. Dafür müssen einheitliche
Lernplattformen bereitgestellt werden, über die digitale Skripte, Aufgabenblätter und
weitere Lernmaterialien zugänglich sind. Diese Plattformen erleichtern den Zugang zu
Lerninhalten und fördern eine effiziente Organisation des Unterrichts. Mit diesen
digitalen Ergänzungen soll es gelingen Berufsschüler*innen mit besonderen
Bedürfnissen oder Lernschwierigkeiten besser zu unterstützen. Ein weiterer wichtiger
Punkt ist das Mittagessen, wie an regulären Schulen auch ist das Mittagessen ein
wichtiger Bestandteil für lang anhaltende Konzentration. Doch häufig fehlt es an
Kantinen in den Berufsschulen, die günstiges und gutes Essen anbieten. Das muss sich
ändern, wir fordern daher, dass es an allen Berufsschulen die Möglichkeit zum Erwerb
eines guten und günstigen Mittagessen gibt.
Brauche ich das alles wirklich?
Immer mehr Auszubildende stellen die Relevanz der Fächer, die in der Berufsschule
unterrichtet werden, infrage. Um die Berufsschulausbildung effektiver und
zielgerichteter zu gestalten, müssen wir uns intensiv mit der Notwendigkeit jedes
einzelnen Fachs auseinandersetzen.
Die Berufsschulausbildung soll die Auszubildenden optimal auf ihre zukünftigen Berufe
vorbereiten. Daher ist es wichtig, dass der Lehrplan praxisnah und auf die
spezifischen Anforderungen der verschiedenen Berufe zugeschnitten ist. Viele
Schülerinnen fühlen sie sich jedoch durch Fächer belastet, die keinen direkten Bezug
zu ihrem Beruf haben und deren Inhalte sie im Arbeitsalltag nicht benötigen. Diese
Fächer sollten kritisch überprüft werden, um sicherzustellen, dass die
Ausbildungszeit sinnvoll genutzt wird.
Eine gründliche Analyse der aktuellen Fächer ist notwendig. Dabei müssen die
Meinungen und Erfahrungen von Lehrkräften, Auszubildenden und Unternehmen einbezogen
werden. Nur so kann ein umfassendes Bild der tatsächlichen Anforderungen und
Bedürfnisse entstehen. Ziel dieser Überprüfung ist es, den Lehrplan zu verschlanken
und den Fokus auf die wesentlichen Inhalte zu legen, die für die berufliche Praxis
relevant sind.
Es ist auch wichtig, mehr Raum für praktische Übungen und berufsspezifische Projekte
zu schaffen. Diese können den Schülerinnen helfen, ihre Fähigkeiten in realen
Arbeitssituationen zu verbessern und sich besser auf ihren Beruf vorzubereiten.
Darüber hinaus sollten moderne Lernmethoden und digitale Werkzeuge stärker in den
Unterricht integriert werden. So wird die Ausbildung nicht nur zeitgemäßer, sondern
auch attraktiver und effektiver.
Kürzt uns nicht weg!
Im vergangenen Herbst wurde im Bundestag intensiv darüber diskutiert, die
Fördermittel für Freiwilligendienste zu streichen. Eine solche Maßnahme hätte fast
jeden vierten Platz betroffen. Auch in der aktuellen Haushaltsdebatte wird erneut
über die Kürzung der öffentlichen Förderungen für Freiwilligendienststellen
gesprochen – diesmal steht sogar jeder dritte Platz auf dem Spiel. Doch
Freiwilligendienste sind von unschätzbarem Wert.
Zum einen bieten sie jungen Menschen die Möglichkeit, sich persönlich
weiterzuentwickeln und ihre Stärken sowie Fähigkeiten zu entdecken. Sie bekommen die
Chance, sich in einem geschützten Rahmen auszuprobieren und wertvolle Erfahrungen zu
sammeln, die sie auf ihrem Lebensweg begleiten werden. Dabei erwerben sie wesentliche
Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein,
die in der modernen Arbeitswelt und im gesellschaftlichen Leben von großer Bedeutung
sind.
Zum anderen sind Freiwilligendienste auch für unsere Gesellschaft unverzichtbar.
Junge Menschen lernen, aktiv Verantwortung zu übernehmen und tragen durch ihr
Engagement in verschiedensten Bereichen – sei es in der Pflege, im Umweltschutz, in
der Kultur oder in der Bildung – zur Unterstützung und Verbesserung unseres
Gemeinwesens bei. Ihr Einsatz stärkt das soziale Gefüge und fördert den Zusammenhalt
in der Gemeinschaft.
Darüber hinaus tragen Freiwilligendienste dazu bei, dass junge Menschen Einblicke in
gesellschaftliche Herausforderungen und soziale Berufe gewinnen.
Dies kann bei vielen zu einem verstärkten Interesse an sozialen, pädagogischen oder gesundheitlichen Berufsfeldern führen und langfristig den Fachkräftemangel in diesen Bereichen lindern.
Die drohenden Kürzungen würden nicht nur den jungen Menschen wertvolle
Entwicklungsmöglichkeiten nehmen, sondern auch der Gesellschaft einen wichtigen
Beitrag zur sozialen Unterstützung und Weiterentwicklung entziehen. Es ist daher
unerlässlich, die Fördermittel für Freiwilligendienste zu erhalten und zu stärken, um
sowohl den individuellen als auch den gesellschaftlichen Nutzen dieser Dienste zu
sichern und auszubauen.
Daher fordern wir eine solide und gesicherte Finanzierung des Freiwilligendienstes
für die kommenden Jahre.
Freiwilligendienst für alle
Darüber hinaus muss der Freiwilligendienst auch attraktiver gestaltet werden, damit
er für alle Menschen zugänglicher wird. Es ist wichtig, dass der Freiwilligendienst
nicht nur eine Option für diejenigen bleibt, die es sich finanziell leisten können,
sondern dass er zu einer echten Alternative für alle jungen Menschen wird. Um dies zu
erreichen, fordern wir eine Angleichung des Taschengelds der einzelnen Träger, da die
Höhe des monatlichen Taschengelds derzeit erheblich variiert. Zusätzlich sollte das
Taschengeld auf die Höhe der Mindestausbildungsvergütung angehoben werden.
Ein einheitliches und angemessenes Taschengeld würde mehrere Vorteile mit sich
bringen. Erstens würde es die finanzielle Belastung der Freiwilligen verringern.
Viele junge Menschen können es sich nicht leisten, ein Jahr ihres Lebens ohne
angemessene finanzielle Unterstützung zu verbringen, selbst wenn sie großes Interesse
an einem Freiwilligendienst haben. Ein angemessenes Taschengeld würde sicherstellen,
dass niemand aufgrund finanzieller Hürden auf diese wertvolle Erfahrung verzichten
muss.
Zweitens würde eine Erhöhung des Taschengelds die Attraktivität des
Freiwilligendienstes insgesamt steigern. Wenn das Taschengeld der
Mindestausbildungsvergütung entspricht, wird der Freiwilligendienst auch im Vergleich
zu anderen Möglichkeiten wie Ausbildung oder Studium konkurrenzfähig. Dies könnte
dazu beitragen, mehr junge Menschen für einen Freiwilligendienst zu gewinnen und
ihnen die Entscheidung zu erleichtern.
Drittens trägt ein höheres und einheitliches Taschengeld zur sozialen Gerechtigkeit
bei. Derzeit profitieren nur diejenigen, die es sich leisten können, von den
Vorteilen eines Freiwilligendienstes. Durch eine faire Vergütung kann sichergestellt
werden, dass der Freiwilligendienst eine Option für alle jungen Menschen ist,
unabhängig von ihrer finanziellen Situation. Dies fördert die Chancengleichheit und
ermöglicht es einer vielfältigen Gruppe von jungen Menschen, von den persönlichen und
beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten des Freiwilligendienstes zu profitieren.
Begründung
erfolgt mündlich
