Einfach Politik: Das inklusive Grundverständnis der Jusos

Weiterleitungen: Juso-Bundeskongress, SPD-Landesparteitag

 Die Versammlung möge beschließen:

 Antrag in Einfacher Sprache:

 Wir, die Jusos Baden-Württemberg wollen Politik für alle machen. Deshalb geht es in
 diesem Antrag

 darum, was wir tun müssen, damit sich alle Menschen bei uns gut fühlen und mitreden
 können. Also

 um Inklusion. Für unseren Verband wollen wir, dass am Anfang von jedem Antrag einmal
 einfach

 gesagt wird, um was es geht. Wir wollen auch, dass in Diskussionen mit vereinfachter
 Sprache

 gesprochen wird. Damit alle Menschen mitmachen können, ist es auch wichtig, dass
 unsere Treffen

 barrierefrei sind. Das heißt, dass alle Menschen, egal ob sie behindert werden oder
 nicht, selber

 entscheiden können wie sie mitmachen wollen. Außerdem wollen wir, dass es Menschen in
 unserem

 Verband gibt, die die Inklusion kontrollieren und helfen, wenn es Fragen gibt.

 Dazu sollen

 sie sich überlegen, wie wir die Inklusion für alle verbessern können. Wir wollen
 außerdem, dass alle

 Informationen und Forderungen unserer Jusos auch in verständlicher Sprache
 geschrieben werden.

 Genauer wird alles im Antrag gesagt.

 Unsere innerverbandlichen Forderungen im Überblick

 – Neue Anträge brauchen zu Beginn eine kurze Zusammenfassung in einfacher Sprache.

 – In Debatten wird vereinfachte Sprache benutzt. Die

 Versammlungsleitung soll darauf vermehrt hinweisen.

 – Wir verpflichten uns dazu, unsere Veranstaltungen barrierearm und in Zukunft auch
 barrierefrei zu

 gestalten. Das gilt auch für die Kommunikation nach innen und nach außen.

 Im neuen Arbeitsjahr soll sich der Landesvorstand um eine Vernetzung für Menschen mit
 Behinderung bemühen.

 Disclaimer: Wenn im Antrag von „Menschen mit Behinderung“ gesprochen wird, meinen wir
 die Menschen, die aufgrund von körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen von
 der Gesellschaft in ihrer freien Lebensgestaltung behindert werden.

 Einfach Politik!

 Als Jusos ist es unser Anspruch, Politik für alle zu machen. In den letzten Monaten
 haben wir es

 geschafft, viele Bevölkerungsgruppen noch stärker in unseren internen Strukturen
 abzubilden. Das

 zeigt: Unser Verband ist in der Lage, sich immer wieder weiterzuentwickeln.

 Die politische Repräsentanz von Menschen mit Behinderung ist aktuell erschreckend
 gering. Auch wir

 Jusos haben hier noch Entwicklungspotenzial. Denn nur, wenn wir Inklusion nach innen
 glaubhaft

 leben, können wir auch inklusive Forderungen in die gesellschaftliche Debatte
 einbringen. Deswegen

 entwickeln wir ein inklusives Grundverständnis für die Jusos.

 Grundlage für inklusive politische Arbeit ist die UN-Behindertenrechtskonvention.
 Diese

 Menschenrechtskonvention schreibt in Art. 29 fest, dass Menschen mit Behinderung das
 Recht

 eingeräumt werden muss, gleichberechtigt an politischen Rechten teilzuhaben. Ebenso
 ist festgelegt,

 dass Vertragsstaaten sicherzustellen haben, dass Menschen mit Behinderung wirksam und

 umfassend am politischen Leben teilhaben können. Das beinhaltet u.a. bei Wahlen zu
 kandidieren,

 ein Amt wirksam innezuhaben und alle öffentlichen Aufgaben auf allen staatlichen
 Ebenen

 wahrzunehmen. Das schließt explizit auch die Mitarbeit in nichtstaatlichen
 Organisationen und

 Vereinigungen, die sich mit dem öffentlichen und politischen Leben des Landes
 befassen oder die

 Mitarbeit an der Verwaltung politischer Partei mit ein. Menschen mit Behinderung ist
 im Bedarfsfall

 unterstützende Technologie zur Verfügung zu stellen. Wir unterstützen in dem Zuge die
 Forderung

 der AG Selbst Aktiv an den SPD-Landesvorstand, innerhalb der SPD Baden-Württemberg zu
 erheben,

 wie barrierefrei die Räumlichkeiten und Geschäftsstellen auf allen Ebenen unserer
 Partei sind. Dies

 kann nur ein erster Schritt sein, um langfristig die inklusivste politische Bewegung
 im Land zu werden.

 Unser Inklusionsverständnis beschränkt sich dabei nicht ausschließlich auf Menschen
 mit

 Behinderung. Wir wollen gemeinsam einen Verband bauen, in dem alle zu Wort kommen,
 sich an

 Debatten beteiligen und sich frei und selbstbestimmt bewegen können. Das schließt
 ausdrücklich

 auch Menschen mit einer Migrationsbiographie und alle mit ein, die ein inklusives,
 einladendes

 Umfeld benötigen.

 Wir wollen Repräsentat*innen für alle sein, also müssen wir unseren Verband öffnen.
 Nur, wenn wir

 Kompetenzen bündeln und Menschen aus der gesamten Gesellschaft in unserem Verband
 politisch

 aktiv sein wollen und können, können wir wirksame Konzepte entwickeln, um
 gesellschaftliche

 Inklusion durchzusetzen.

 Inklusiver Diskutieren!

 Das beginnt bei der Art und Weise, wie wir miteinander diskutieren. Uns allen fällt
 auf, dass wir

 oftmals ein sehr akademisches Debattenniveau pflegen, was manche ausschließt oder
 zumindest

 abschreckt.

 Wir werden gemeinsam auf eine Debattenkultur hinarbeiten, an der alle teilhaben
 können. Deshalb

 werden wir in Zukunft in Diskussionen auf Landesausschüssen und
 Landesdelegiertenkonferenzen

 darauf achten, vereinfachte und verständliche Sprache zu nutzen.

 Konkret bedeutet das, beispielsweise Fachbegriffe nicht nur zu verwenden, sondern
 auch zu erklären

 und beim Reden bewusst auf eine Ausdrucksweise zu achten, die für möglichst alle
 Zuhörenden

 verständlich ist.

 Um das Bewusstsein für die Wirkungsweise und die Verwendung von vereinfachter und
 Einfacher

 Sprache zu schärfen, entwickeln wir ein Schulungsangebot, das sich explizit damit
 beschäftigt. Das

 Schulungsangebot soll im Rahmen von Antragswerkstätten oder weiteren landesweiten

 Veranstaltungen angeboten werden. So hat jedes Mitglied die Möglichkeit sich mit

 Formulierungsmöglichkeiten und Anforderungen an vereinfachte, verständliche, aber
 auch Einfache Sprache vertraut zu

 machen und das eigene Bewusstsein für inklusiven Sprachgebrauch zu erweitern. Die
 Regelung soll

 ausdrücklich nicht dazu führen, dass Redebeiträge nicht gehalten oder abgebrochen
 werden, wenn

 keine vereinfachte Sprache genutzt wird. Es geht um Awareness.

 Inklusivere Antragsarbeit!

 Ab dem kommenden Arbeitsjahr enthalten alle Anträge, die beim Landesverband eingehen
 einen

 Absatz, welcher den Kern des Antrags in Einfacher Sprache zusammenfasst. Sollte dies
 von den

 Die Kreisverbände werden ermutigt, dies direkt bei Antragsstellung zu
 berücksichtigen. Gegebenenfalls werden sie dabei durch das Landesausschusspräsidium
 unterstützt.

 Alle öffentlichen Verlautbarungen der Jusos Baden-Württemberg sollen auch in

 verständlicher, vereinfachter Sprache zur Verfügung gestellt werden.

 Inklusivere Kommunikation!

 Das SocialMedia-Team soll Bildbeschreibungen (Alternativtexte) bei Posts und
 Untertiteln für Videos,

 die in die Öffentlichkeit kommuniziert werden nutzen. Auch die Kreisverbände werden
 ermutigt, dies

 bei ihrer Pressearbeit zu berücksichtigen. Die Kreisverbände sind unser Sprachrohr
 vor Ort, deswegen

 muss es unser Ziel sein, alle Menschen mit unseren Botschaften zu erreichen. Diese
 Aufgabe kann

 nicht allein der Landesvorstand übernehmen. Inklusion ist eine Aufgabe für unseren
 gesamten

 Verband. Auch in der Kommunikation mit den unseren Mitgliedern – in E-mails,
 Whatsapps und

 weiteren Formaten, achten wir auf prägnante Darstellung und vereinfachte

 Sprache. Um unübersichtliche Texte zu vermeiden und zu entzerren, wird künftig bei

 ausschweifenderen Darstellungen, auf Anhänge (PDF- oder JPG-Dateien) zurückgegriffen.
 In

 Dokumenten werden Informationen übersichtlicher dargestellt als in ewiglangen Mail-
 oder Whatsapp-

 Fließtexten.

 Für eine barrierefreie Sozialdemokratie!

 Die Jusos Baden-Württemberg verfolgen überdies das Ziel, barrierearm, perspektivisch
 sogar

 barrierefrei zu werden. Auf Veranstaltungen achten wir auf die Zugänglichkeit aller
 Locations, sodass

 jedes Mitglied selbstbestimmt entscheiden kann, wo hin es will. Das schließt
 ausdrücklich

 Partylocations, Übernachtungsmöglichkeiten und die Zugänglichkeit zur Debatte
 (insbesondere

 Bühnen und Redepulte) mit ein. Inklusivität und Barrierefreiheit wird zu einem
 verbindlichen

 Auswahlkriterium für die Location auf Landesveranstaltungen der Jusos BW.

 Die Jusos Baden-Württemberg streben eine enge Zusammenarbeit mit der AG SelbstAktiv
 sowie der

 AG Migration und Vielfalt der SPD Baden-Württemberg an, um Synergien zu nutzen und
 gemeinsam

 für eine insgesamt inklusivere Sozialdemokratie in Baden-Württemberg zu arbeiten.
 Gemeinsam

 bauen wir in dieser Thematik Druck auf unsere Landespartei auf.

 Inklusion ist für uns kein Lippenbekenntnis. Wir schließen marginalisierte Menschen
 aktiv mit ein,

 denn für uns ist klar: Alle verdienen einen Platz an den Verhandlungstischen unseres
 Verbandes und

 unserer Partei. Nicht aufgrund ihrer besonderen Eigenschaft, sondern mit ihrer
 besonderen

 Eigenschaft. Durch ihre persönlichen Lebenserfahrungen bringen sie Sichtweisen in die
 politische

 Debatte ein, die wir nicht bewundern wollen, sondern ernsthaft erwägen und in
 praktische,

 jungsozialistische Politikansätze ummünzen.

 Inklusion festigen

 Barrierefreiheit ist mehr als physische Barrierefreiheit. Um unseren Verband
 strukturell inklusiver zu

 machen, Repräsentation zu schaffen und Inklusion fest als politischen
 Verantwortungsbereich zu etablieren bemüht sich der Landesvorstand im kommenden
 Arbeitsjahr um den Aufbau einer Vernetzung für Menschen mit Behinderungen.

 Zum inklusiven Aufgabengebiet unseres Landesverbands und zukünftig der Vernetzung
 sollen u.a. gehören:

  •  Austauschplattform für Jusos, die gesellschaftlich behindert werden
  •  Die Inklusionsmaßnahmen des Verbandes immer wieder kritisch zu prüfen
  •  Ansprechpersonen für Menschen mit Behinderung sein

 • Beratung der Landesgeschäftsführung bei Suche von barrierefreien Locations
 (insbesondere

 Hotels und Tagungsorte)

 • Aufbau eines Teams an möglichen Gebärdensprachdolmetscher*innen gemeinsam mit dem
 Awareness-Team, um inklusiv ansprechbar zu sein und Planungen hinsichtlich mehr
 Teilhabe anzustreben

 • Entwicklung von Schulungsangeboten

 hinsichtlich verständlicher Sprache und Inklusion

 • Beratung der Kreisverbände bei der Findung von barrierefreien Räumlichkeiten und

 Durchführung von barrierefreien Veranstaltungen vor Ort.

 Die Jusos Baden-Württemberg wirken sowohl im Bundesverband, als auch bei der SPD BW
 auf die

 Umsetzung unseres Inklusionsverständnisses hin.

Begründung

erfolgt mündlich