Die Jusos Baden-Württemberg sind ein Verband für junge Menschen im Alter zwischen 14
und 35 Jahren. Diese Altersspanne bringt wertvolle Vielfalt mit sich, aber auch
besondere Verantwortung. Wir sind ein feministischer, antifaschistischer und
inklusiver Richtungsverband, der nicht nur inhaltlich progressiv arbeitet, sondern
auch in seinen Strukturen und Veranstaltungen diese Haltung leben muss.
Unsere Landesveranstaltungen tragen einen klaren Bildungsauftrag. Neben politischer
Bildung geht es dabei auch um Persönlichkeitsentwicklung, das Sammeln von
Erfahrungen
und die Gestaltung eines solidarischen Miteinanders. Damit alle Mitglieder
unabhängig
von Alter, Konsumverhalten, Lebensrealität oder persönlichen Grenzen sicher,
respektiert und selbstbestimmt an Veranstaltungen teilnehmen können, braucht es
verbindliche Awareness-Strukturen.
Alkohol- und Drogenkonsum
1. Konsum während inhaltlicher Arbeit
Der Konsum von Alkohol während inhaltlicher Programmpunkte z. B. Workshops, Panels,
Antragsarbeit oder Plenumsphasen muss untersagt werden. Hier muss die inhaltliche
Arbeit und der Bildungsauftrag der Jusos im Fokus stehen.
2. Einkauf durch den Verband
Der Einkauf alkoholischer Getränke durch den Landesverband oder seine Strukturen
(z. B. das Landesbüro) darf grundsätzlich nicht gestattet werden. Ausgenommen sind
symbolische Referent*innen-Geschenke.
3. Privater Konsum beim Abendprogramm
Wer im Rahmen des geselligen Abendprogramms Alkohol konsumieren möchte, darf dies
privat tun, muss diesen aber selbst mitbringen und bezahlen. Dieser muss sich
außerdem in einem Rahmen halten, der berücksichtigt, dass Jusos einen Raum bieten,
in
dem sich alle wohlfühlen sollen.
Die Weitergabe von Alkohol an Minderjährige unterliegt dem Jugendschutzgesetz und
ist
strikt untersagt.
4. Rahmen und Verantwortung
Im Vorfeld jeder mehrtägigen Veranstaltung sind klare Hinweise zum
verantwortungsvollen Konsum, den geltenden Grenzen und des Awarenessteams zu
kommunizieren.
Alternative Abendgestaltung
1. Alternative Angebote
Gesellige, nicht-alkoholzentrierte Abendformate sollen fester Bestandteil jeder
mehrtägigen Landesveranstaltung sein. Niemand darf aufgrund seines Konsumverhaltens
von einer gemeinsamen Abendgestaltung ausgeschlossen werden.
Das Programm soll bewusst offen gestaltet werden. Beispiele können Filmabende,
Spiele, oder Gesprächsrunden sein.
2. Niedrigschwelligkeit & Nähe
Wenn möglich, sollen diese Alternativangebote direkt am Veranstaltungsort (z. B. in
der Jugendherberge) stattfinden, um lange Wege zu vermeiden und für alle zugänglich
zu sein.
Schutz und Teilhabe Minderjähriger
1. Zugang und Beteiligung
Die Teilnahme von Minderjährigen an Landesveranstaltungen ist ausdrücklich
gewünscht.
Dabei müssen Jugendschutz, altersgerechte Kommunikation und sichere Räume beachtet
werden.
2. Keine Sexualisierung Minderjähriger
Jegliche Form von sexualisierendem Verhalten gegenüber Minderjährigen wird nicht
geduldet und ist dem Awareness-Team umgehend zu melden.
3. Medienkompetenz & Aufklärung
Veranstaltungen mit jüngeren Teilnehmenden sollen auch Gelegenheiten zur Reflexion
über Themen wie Social Media, digitale Sicherheit und persönliche Grenzen bieten.
Insbesondere negative Darstellung anderer Jusos oder Gliederungen der Jusos in Form
von digitalem Content (Beiträge, Kommentar usw.) ist hierbei zu unterlassen. Interne
Konflikte sollen nicht über öffentliche Medien ausgetragen werden, da dies den Ruf
der Jusos als politische Jugendorganisation schädigt und Einzelpersonen nachhaltig
belasten kann.
Feminismus leben – Inklusive Strukturen schaffen
1. Strukturelle Inklusion
Die Veranstaltungen des Landesverbandes müssen barrierearm gestaltet werden. Das
betrifft insbesondere physische Zugänge, Essensangebote, Schlafplatzverteilung und
Kommunikation. Elternfreundliche Rahmenbedingungen (z. B. durch Kinderbetreuung)
sollen mitgedacht werden.
2. FINTA*-Vernetzung
Bei jeder mehrtägigen Veranstaltung muss ein FINTA*-Vernetzungstreffen ermöglicht
werden, um geschützte Räume für Austausch und gegenseitige Unterstützung zu
schaffen.
3. Workshops zu problematischer Männlichkeit
Parallel zur FINTA*-Vernetzung sollen regelmäßig Workshops oder Gesprächsrunden zu
problematischer Männlichkeit, Machtverhalten und Sensibilisierung gegenüber
„Mansplaining“ stattfinden. Ziel ist eine respektvolle Debattenkultur und
reflektierter Umgang mit Privilegien.
4. Debattenkultur
Die Juso Baden-Württemberg sollen ein Ort sein, an dem sich insbesondere junge
Menschen und FINTA* in politischer Arbeit üben können. Ein respektvolle
Debattenkultur ist dabei essentiell.
Deshalb muss dafür Sorge getragen werden, dass respektloses Verhalten gegenüber
anderen Personen (z.B. Beleidigungen oder Mansplaining) auf Landesausschüssen, der
Landesdelegiertenkonferenz und anderen Veranstaltungen der Jusos Baden-Württemberg
minimiert wird.
Rolle des Awareness-Teams
1. Einbindung & Sichtbarkeit
Das bestehende Awareness-Team des Landesverbandes ist bei der Planung und
Durchführung jeder mehrtägigen Veranstaltung frühzeitig einzubinden.
Seine Mitglieder sollen zu Beginn der Veranstaltung sichtbar vorgestellt und als
Ansprechpersonen für Grenzüberschreitungen benannt werden.
2. Feedback und Weiterentwicklung
Nach jeder mehrtägigen Veranstaltung wird eine anonymisierte Auswertung zur
Awareness-Arbeit durchgeführt. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung der
Strukturen ein.
Als Jusos dürfen wir nicht nur progressiv denken, sondern müssen auch progressiv
handeln. Awareness darf bei uns kein Nebenschauplatz sein, sondern muss fester
Bestandteil unseres politischen Selbstverständnisses und unserer alltäglichen Praxis
sein. Der Fokus soll aber auf Sensibilisierung statt Sanktionen liegen.
Dieser Antrag soll einen verbindlichen Rahmen schaffen, der unsere
Landesveranstaltungen zu sicheren, inklusiven und respektvollen Räumen für alle
macht. Ein Raum, in dem politisches Engagement, Persönlichkeitsentwicklung und
Gemeinschaft möglich sind – ohne Angst vor Grenzverletzungen, Ausgrenzung oder
Gruppenzwang.
Wir verstehen Awareness nicht als Einschränkung, sondern als Einladung: zum
gegenseitigen Respekt, zur Achtsamkeit und zu einem solidarischen Miteinander. Dafür
übernehmen wir Verantwortung. Als Verband und als Einzelne.
Begründung
erfolgt mündlich
