Löschen statt Sperren – kinderpornographischen Netzwerken die Grundlage entziehen

Zur Weiterleitung an: Jusos-Bundeskongress, SPD-Landesparteitag
  Wir fordern die Innen- und Justizministerien der Länder und des Bundes, im
 Besonderen
  das Innen- und Justizministerium Baden-Württembergs auf, Videos und Bilder mit
  kinderpornographischen Inhalten nachhaltig löschen zu lassen.

  Kinderpornographische Internetforen werden in Deutschland von der Polizei hart
  bekämpft. Zuletzt wurde in 2024 das Darknet-Forum „Alice in Wonderland“ von der
  Landespolizei Nordrhein-Westfalens abgeschaltet (vgl. Tagesschau). Auch in Baden-
  Württemberg wurden erst zuletzt in mehreren Landkreisen und Stadtkreisen
  Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei wurden mehr als 780 Beweismittel festgestellt
  (vgl. BNN). 

  Während sich die Foren im Darknet befinden, ist das kinderpornographische Material
  selbst im Clear Web zu finden. Die Foren enthalten Links zu Videos und Bildern, die
  zu Speicherdienste wie Dropbox oder ähnlichen Anbieter führen. Ein Rechercheteam von
  STRG_F und Panorama hat dabei herausgefunden, dass lediglich die Darknet-Foren
  offline genommen wurden, das Material im Clear Web hingegen war immer noch
 aufrufbar.
  Besonders skandalös ist dabei, dass 2021 bereits schon einmal über dieses Problem
  berichtet wurde. Die damalige Innenministerin Nancy Faeser hatte daraufhin Besserung
  versprochen und erklärt, dass das Löschverfahren umgestellt wird. Die Recherche
  zeigte allerdings deutlich, dass das Material nach wie vor nicht nachhaltig gelöscht
  wird, als Grund wird hierfür unter anderem fehlendes Personal genannt (vgl.
  Tagesschau).

  Infolgedessen hat sich das Recherche-Team dazu entschlossen, die Löschung selbst in
  die Hand zu nehmen. Hierbei haben zwei Personen monatelang die Links zu den
  Speicherdiensten erfasst und gesammelt und anschließend die Betreibern der Seiten
  informiert. Die Betreiber der Speicherdienste haben daraufhin alles gesammelte
  Material von ihren Seiten gelöscht und damit nachhaltig aus dem Internet entfernt.
  Insgesamt wurden so über 300.000 Aufnahmen mit einer Datenmenge über 21.000 GB
  gelöscht. Als Reaktion darauf haben mindestens zwei Darknet-Foren ihren Betrieb
  vollständig eingestellt, da die Verlinkungen nicht mehr funktionierten und die Foren
  damit quasi tot waren (vgl. Tagesschau).

  Dieses Engagement zeigt, dass bereits ein kleiner Personalaufwand von gerade einmal
  zwei Personen ganze kinderpornographische Netzwerke nachhaltig zum Erliegen bringen
  kann. Warum die personell stärkeren Landespolizeibehörden im Vergleich zu zwei
  Journalisten hier nicht deutlich energischer und zielorientierter vorgehen, ist uns
  ein großes Rätsel. Gerade für Betroffene, deren Videos und Bilder möglicherweise
  immer noch im Internet abrufbar sind, muss dies unfassbar belastend sein. 

  Aus diesem Grund fordern wir das Bundesinnen- und Bundesjustizministerium und die
  einzelnen Landesinnen- und Landesjustizministerien dazu auf, den Worten der
  zuständigen Minister*innen entschiedene Taten folgen zu lassen und das
 Löschverfahren
  bundesweit endlich anzupassen und zudem ausreichend Personal hierfür abzustellen.

  Quellen:

  BNN:
  https://bnn.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/kinderpornografie-ermittler-nehmen-
  tatverdaechtige-in-karlsruhe-pforzheim-und-baden-baden-ins-visier
 

  Tagesschau:

https://www.tagesschau.de/investigativ/panorama/darknet-sexualisierte-gewalt-kinder-  fotos-loeschen-bka-100.html

Begründung

Erfolgt mündlich