Sex Sells – Wir kaufens nicht!

Antragsteller*innen: Kreisverband Heidelberg, Kreisverband Freiburg

  Zur Weiterleitung an: Landesparteitag der SPD BW, SPD Landesvorstand Baden-
  Württemberg, Bundesparteitag, SPD-Bundesvorstand, SPD-Bundestagsfraktion

  Sexistische und geschlechtsstereotypische Werbung ist nach wie vor allgegenwärtig –
  ob im öffentlichen Raum, im Fernsehen oder in sozialen Medien. Immer wieder begegnen
  uns Bilder, die Menschen auf stereotype Rollen festlegen oder sie auf ihre
  Sexualität
  reduzieren. So endet etwa der Wunsch, eine Bohrmaschine zu kaufen, mit dem Anblick
  eines halbnackten Frauenkörpers und auch bei der Suche nach Outdoor-Kleidung stößt
  man auf Darstellungen von Frauen in Bikinis und High Heels, die lasziv auf Autos
  posieren – ganz ohne Zusammenhang zum eigentlichen Produkt.

  Solche Darstellungen dienen allein der Aufmerksamkeitserregung. Frauen werden als
  bloße Blickfänge eingesetzt, auf sexuelle Verfügbarkeit reduziert oder gar als
  käuflich inszeniert. Aber auch Männer sind betroffen: Sie werden in der Werbung
  häufig als inkompetente, überforderte Väter oder als primitiv und triebgesteuert
  dargestellt. Diese Bilder vermitteln überholte Geschlechterrollen und festigen ein
  geschlechtsbezogenes Über- und Unterordnungsverhältnis.

  Die Wirkung dieser Form von Werbung ist tiefgreifend. Sie beeinflusst nicht nur
  gesellschaftliche Normen und Erwartungen, sondern auch das Selbstbild und die
  Körperwahrnehmung vieler Menschen – insbesondere junger Menschen, die sich in der
  Entwicklung ihrer Identität befinden. Werbung trägt so zur Objektifizierung und
  Entfremdung bei, fördert das gesellschaftliche Schubladendenken und steht einer
  gleichberechtigten Gesellschaft im Weg. Gerade in Zeiten des Internets ist ihr
  Einfluss auf gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht, Rollenbildern und
  Körpernormen größer denn je.

  Der Versuch, sexistische Werbung durch die freiwillige Selbstkontrolle des Deutschen
  Werberats zu regulieren, hat sich als unzureichend erwiesen. Es fehlt an
  Transparenz,
  an nachvollziehbaren Konsequenzen und an effektiven Sanktionsmechanismen.
 Beschwerden
  werden nur selten ernsthaft verfolgt, und die Verfahren sind für viele Menschen kaum
  zugänglich.

  Wir brauchen klare und verbindliche Standards, die für alle Formen der Werbung
  gelten
  – analog wie digital, im öffentlichen Raum, in Printmedien, im Rundfunk und in
  sozialen Netzwerken. Werbung darf nicht länger zur Verfestigung diskriminierender
  Geschlechterbilder beitragen. Stattdessen muss sie Vielfalt abbilden und ein
  respektvolles Miteinander fördern.

 Wir fordern daher eine bundesweite gesetzliche Regelung, die sexistische und
 sexualisierte Werbung untersagt, wenn sie Menschen in diskriminierender Weise
 anspricht. Die Einführung verbindlicher, sanktionierbarer Branchenstandards gegen
 sexistische Werbung unter Einbeziehung des Deutschen Werberats und der
 Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Diskriminierend ist eine Werbung insbesondere
 dann, wenn sie durch Bild oder Text geschlechtsbezogene Stereotype vermittelt, Frauen
 auf sexuelle Anziehung als ihren zentralen Wert reduziert oder sie – etwa durch den
 Einsatz weiblicher Körperteile ohne Produktbezug – als reine Objekte darstellt. Auch
 die Darstellung von Männern in entwürdigenden Rollen muss kritisch hinterfragt und
 unterbunden werden.

  Ein besonderer Fokus muss auf der Begrenzung manipulativ veränderter
  Körperdarstellungen liegen. Bildbearbeitungen oder KI-generierte Inhalte, die
  unrealistische und gesundheitsschädliche Körperideale vermitteln, müssen gesetzlich
  eingeschränkt werden. Darüber hinaus braucht es wirksame Sanktionsmechanismen.

  Solange es keine bundesgesetzliche Regelung gibt, sollen Städte ermutigt werden,
  eigenständig sexistische Werbung zu verbieten – so wie es beispielsweise bereits in
  Stockholm, London und Leipzig geschehen ist.

  Teil des Problems ist auch Gender-Marketing, also Marketing-Strategien, die auf die
  Bedürfnisse von weiblichen oder männlichen Kund*innen abzielen. Dies geht davon aus,
  dass Männer und Frauen unterschiedlich konsumieren und verstärkt dadurch nicht nur
  Geschlechter-Klischees, sondern zementiert auch die überholte Vorstellung einer
  Binarität der Geschlechter. Auch Gender-Marketing muss daher Teil des Verbots sein.

  Unser Ziel ist eine geschlechtergerechte und respektvolle Werbelandschaft, die nicht
  Teil des Problems, sondern Teil der Lösung ist. Werbung darf nicht länger ein Medium
  der Diskriminierung sein – sie muss ein Spiegel gesellschaftlicher Vielfalt und
  Gleichwertigkeit werden.

Begründung

erfolgt mündlich