Keine Profite aus Krieg – Regulierung der Rüstungindustrie!

Weiterleitung an: SPD-Bundestagsfraktion

  Die deutsche Sicherheitspolitik hat sich in den vergangenen Jahren und spätestens
  nach der „Zeitenwende“ Rede von Olaf Scholz stark verändert. Entscheidungen über
  Waffenproduktion und -export dürfen nicht nur von Unternehmen und dem Markt bestimmt
  werden, sondern müssen politisch kontrolliert und verantwortungsvoll getroffen
  werden. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, zunehmende internationale
  Spannungen und ein wachsender Bedarf an Verteidigungsfähigkeit führen aktuell zu
  massiven Investitionen in Rüstungsunternehmen. Während sicherheitspolitische
  Notwendigkeiten bestehen, beobachten wir mit großer Sorge, wie sich diese
  Entwicklungen in unverhältnismäßigen Profiten für einzelne Konzerne niederschlagen –
  auf Kosten der Allgemeinheit. Es ist nicht hinnehmbar, dass Unternehmen aus Krieg
 und
  Krisen Übergewinne erzielen, während gleichzeitig demokratische Kontrolle und
  Transparenz in diesem Sektor fehlen. Wir Jusos stehen für eine gerechte und soziale
  Wirtschaftsordnung, auch in der Sicherheitspolitik. Aus diesem Grund fordern wir:

  1.   Die Einführung einer Übergewinnsteuer für Rüstungsunternehmen.
      Rüstungsunternehmen erzielen derzeit massive Gewinne, die nicht durch
      unternehmerisches Risiko, sondern durch politische Entscheidungen und
     staatliche
      Aufträge ermöglicht werden. Diese Übergewinne müssen der Allgemeinheit
      zugutekommen und nicht privaten Aktionärsinteressen. Deshalb fordern wir eine
      gezielte Übergewinnsteuer auf die Profite von Rüstungsunternehmen, die sich
     über
      das durchschnittliche Gewinnniveau der Vorjahre hinausbewegen. Die Einnahmen
      sollen in soziale Infrastruktur, Friedens- und Konfliktforschung sowie
      internationale Entwicklungszusammenarbeit investiert werden.
  2.   Eine konsequente Überwachung und Kontrolle der Lieferketten. Die Produktion von
      Rüstungsgütern unterliegt besonderen ethischen Anforderungen. Es darf nicht
      sein, dass deutsche Rüstungsunternehmen durch undurchsichtige Lieferketten zur
      Ausbeutung von Arbeitskräften oder zur Verletzung von Menschenrechten
     beitragen.
      Wir fordern daher eine lückenlose Transparenzpflicht für alle Unternehmen der
      Branche sowie eine strengere Kontrolle durch staatliche Behörden. Die
     Einhaltung
      menschenrechtlicher, ökologischer und arbeitsrechtlicher Standards muss über
     die
      gesamte Lieferkette hinweg gewährleistet sein – inklusive der Herkunft von
      Rohstoffen, der Zulieferung von Bauteilen und dem Endverbleib der produzierten
      Waffen.
  3.   Eine demokratische Kontrolle durch Verstaatlichung zentraler
      Rüstungsunternehmen. Private Rüstungsunternehmen sind profitorientiert – ein
      Widerspruch zur sicherheitspolitischen Verantwortung, die sie tragen. Die
      Rüstungsindustrie und das Militär dürfen nicht einfach den freien Kräften des
      Marktes überlassen werden. Deshalb sprechen wir uns für eine schrittweise
      Verstaatlichung von Rüstungsunternehmen in Deutschland aus. So kann
      sichergestellt werden, dass Sicherheitsinteressen, Friedenspolitik und
      demokratische Kontrolle im Mittelpunkt der Rüstungsproduktion stehen – und
     nicht
      Renditeziele. Die Produktion sicherheitsrelevanter Güter gehört in öffentliche
      Hand. Deshalb ist für uns klar: Transparenz, demokratische Kontrolle und eine
      klare menschenrechtliche Orientierung deutscher Exportpolitik sind längst
      überfällig. Dieser Antrag soll unser Signal sein: Friedenspolitik beginnt an
      unseren Werkstoren!
     Wir stehen trotz der großen sicherheitspolitischen Herausforderungen weiterhin
     fest zu unserem pazifistischen Grundverständnis – mit dem Ziel, Konflikte durch
     Diplomatie, internationale Zusammenarbeit und Abrüstung zu lösen statt durch
     Aufrüstung und militärische Eskalation.