Weiterleitung an:
die (Ober-)Bürgermeisterinnen und (Ober-)Bürgermeister der SPD in Baden-Württemberg,
die SPD-Landtagsfraktion,
die SPD-Europaabgeordneten aus Baden-Württemberg,
den Juso-Bundeskongress
Am 28. April 2025 kam es zu einem großflächigen Stromausfall, der die gesamte
iberische Halbinsel lahmlegte – ein Ereignis, das europaweit für Aufsehen sorgte und
die Verwundbarkeit des europäischen Stromverbundnetzes in Zeiten der Energiewende
verdeutlichte. Erste Untersuchungsergebnisse zeigen, dass bereits bis zu 30 Minuten
vor dem Blackout deutliche Oszillationen in der Netzfrequenz auftraten. Diese deuten
auf eine Überversorgung durch Erzeugungsanlagen hin, die Strom über netzfolgende
Wechselrichter einspeisen.
Mit dem Fortschreiten der Energiewende verlagert sich die Stromerzeugung zunehmend
von zentralen Großkraftwerken hin zu dezentralen Quellen wie Solaranlagen,
Windkraftanlagen und anderen Kleinkraftwerken. Im Gegensatz zu konventionellen
Kraftwerken mit großen Generatoren fehlt es diesen dezentralen Erzeugern an
sogenannter rotierender Masse, die bislang zur Netzstabilität beitrug. Dadurch wird
das Stromnetz anfälliger für Schwankungen.
Diese Entwicklung erfordert neue Antworten: Übertragungsnetzbetreiber stehen vor der
Herausforderung, die Netzstabilität trotz abnehmender Systemträgheit zu
gewährleisten. Hierfür ist der verstärkte und zügige Ausbau von
Blindleistungskompensatoren – insbesondere sogenannten STATCOM-Anlagen – notwendig.
Diese können Blindleistung bereitstellen und so die fehlende Trägheit teilweise
kompensieren. Staatliche Unterstützung ist aufgrund des Investitionsvolumens und des
gesamtgesellschaftlichen Interesses an einer sicheren Energieversorgung dringend
geboten.
Ein weiteres Problem stellt der zunehmende Einsatz netzfolgender Wechselrichter dar.
Diese können keine Momentanreserve bereitstellen und benötigen eine stabile
Netzfrequenz, die bislang durch konventionelle Kraftwerke gewährleistet wird. Eine
zukunftsfähige Lösung ist das sogenannte Grid Forming. Dabei wird elektrische
Energie
in Batteriespeichern zwischengespeichert und bei Bedarf über netzbildende
Wechselrichter eingespeist, um eine stabile Netzfrequenz (50 Hz) zu gewährleisten.
Solche netzbildenden Wechselrichter müssen bei großen Erzeugungsanlagen –
insbesondere Windparks und großen Freiflächen-Photovoltaikanlagen – verpflichtend
zum
Einsatz kommen.
Hier sind auch die Kommunen gefordert: Sie müssen gemeinsam mit den
Energieversorgern
geeignete Flächen identifizieren und bei der Planung neuer Anlagen gezielt auf den
Einsatz netzbildender Technik hinwirken.
Ein weiteres Risiko für die Netzstabilität liegt im zunehmenden Ungleichgewicht
zwischen Stromangebot und -nachfrage. Insbesondere zur Mittagszeit führt die starke
Einspeisung von Solarstrom regelmäßig zu Überkapazitäten. Problematisch ist hierbei
die bestehende feste Einspeisevergütung für PV-Anlagen bis 100 kWp. Die geplante
Reduktion auf 25 kWp wird voraussichtlich nicht ausreichen, um gegenzusteuern.
Stattdessen sollte die netzdienliche Einspeisung von Strom aus privaten PV-Anlagen
gezielt gefördert werden. Heimische Batteriespeicher könnten so systemdienlich in
den
Strommarkt integriert werden und konventionelle Kraftwerke in Spitzenlastzeiten
(morgens und abends) entlasten. Auch bei kommunalen PV-Anlagen sollte darauf
geachtet
werden, diese mit Speicher zu bauen.
Angesichts der engen Vernetzung der Stromnetze innerhalb Europas ist eine
koordinierte europäische Strategie zur Netzstabilisierung unerlässlich.
Wir Jusos fordern daher:
- Den beschleunigten Ausbau von Blindleistungskompensatoren, wie STATCOM-Anlagen,
durch gezielte staatliche Förderung. - Die verpflichtende Ausstattung großer Erzeugungsanlagen (Windparks,
Freiflächen-
PV) mit netzbildenden Wechselrichtern (Grid Forming). - Die gezielte Förderung netzdienlicher Einspeisung von Solarstrom aus privaten
PV-Anlagen durch verbesserte Anreize und die bessere Integration von
Batteriespeichern in den Strommarkt. - Die Fortführung und Förderung der Forschung zur Kaltstartfähigkeit von
Erneuerbare-Energien-Anlagen mit netzbildenden Wechselrichtern.
Begründung
erfolgt mündlich
