„ElternDigital+ Führerschein” – Kompetenz trifft auf Bildschirmzeit

Zur Weiterleitung an: SPD-Landesparteitag, SPD-Landtagsfraktion
  Die Versammlung möge beschließen:

  Die Gefahren des Internets nehmen Fahrt auf. Von der Verbreitung von Fake News, über
  versteckte Sammlungen personenbezogener Daten, bis hin zu Cyber-Mobbing oder
  sexualisierter Gewalt – um nur wenige Aspekte zu benennen. Was für Jugendliche und
  Erwachsene schon beängstigend und überfordern sein kann, betrifft allerdings auch
 die
  Jüngsten unserer Gesellschaft.

  Heutzutage sind Kinder mit digitalen Medien in Kontakt schon bevor sie laufen
 lernen.
  Ob Fernseher, Tablett oder Smartphone – eine Erziehung ohne die Nutzung dieser
 Geräte
  ist nicht mehr vorstellbar. Doch damit einher gehen auch Gefahren, wie manipulative
  Inhalte, Datensammlungen, sexualisierte Gewalt oder schädliche Sehgewohnheiten. Und
  während viele Eltern bemüht sind, ihre Kinder zu schützen, fehlt es häufig an Wissen
  und Bewusstsein, denn selbst Inhalte auf „kinderfreundlichen“ Plattformen wie
 YouTube
  Kids oder Netflix sind keineswegs immer altersgerecht. Genannte Plattformen werden
  teilweise sogar dafür genutzt gezielt Abhängigkeiten zu erzeugen.

  Umso wichtiger ist es Kinder zu schützen, die aufgrund ihres Alters und mangelnder
  Erfahrung noch nicht selbst beurteilen können, welche Inhalte ihnen Nutzen oder
  Schaden bringen, sowie Eltern das Bewusstsein für die vielen Gefahren näher zu
  bringen. Eltern brauchen mehr als nur gute Absichten – sie brauchen fundiertes
  Wissen.

 Daher stellen wir die Forderung nach einem freiwilligen „ElternDigital+
 Führerschein”.

  Im Rahmen dieses Führerscheins befassen sich Eltern damit, welche Inhalte für die
  Kindesentwicklung förderlich und welche schädlich sind. Sie lernen einen guten
 Umgang
  mit digitalen Medien und die Integration dieser im Alltag. Zusätzlich werden sie
 über
  die zahlreichen Gefahren von übermäßigem und vor allem unkontrolliertem Medienkonsum
  aufgeklärt.

 Der „ElternDigital+ Führerschein“ soll über eine Website des Bundesministeriums für
 Gesundheit (BMG) als Online-Schulung mit anschließendem Test absolviert und dann vom
 BMG ausgestellt werden. Bei Anmeldung des neugeborenen Kindes bei der jeweiligen
 Krankenkasse soll der Führerschein dann von mindestens einem Elternteil vorgelegt
 werden. Der Führerschein sollte, wenn möglich, vor der Geburt absolviert werden und
 dafür bereits in der Geburtsvorbereitung beworben und darauf hingewiesen werden.
 Sollte der Führerschein bei Anmeldung des Kindes bei der Krankenkasse noch nicht
 vorgewiesen werden können, soll die jeweilige Krankenkasse noch einmal nach 3-
 monatigem Abwarten auf den „ElternDigital+ Führerschein“ aufmerksam machen.

  Auch soll der Führerschein bei Kindern im Kindergartenalter aufgefrischt werden.
  Hierzu muss das Erziehungspersonal geschult werden beziehungsweise externes
  Fachpersonal zur Hilfe geholt werden. In Form von Elternabenden können den Eltern
 die
  neuen Kompetenzen näher gebracht werden.

Begründung

Uns bewegte, diesen Antrag zu schreiben, die Recherche zu Cocomelon.

Cocomelon! Wenn Kinder im Alter zwischen 2 und 5 Jahren diesen Song hören, drehen sie sich meist sofort danach um, zu sehen beispielsweise in einem TikTok-Trend.

Die Plattform Cocomelon hat auf YouTube über 190 Millionen Abonnenten und Videos mit teils über 7 Milliarden Aufrufen. Bei den schlecht animierten Videos, mit raubkopierten Songs und mäßig pädagogischem Storytelling könnte man auf den ersten Blick nicht automatisch davon ausgehen, dass die Videos Babys und Kleinkindern Schaden zufügen, aber bei genauerem Hinsehen und Recherchieren wird dies deutlicher:

Die Farben der Videos sind grell und übersättigt, auch die Schnittbilder sind teilweise drei Sekunden lang. Hinter den Videos steckt die Firma Moonbug Entertainment. Diese forscht bewusst daran, wie man Kinder so lange wie möglich am Bildschirm hält und süchtig macht. Dazu werden auch Kinder für die Forschungszwecke benutzt. Kinder werden durch diesen Bildschirmkonsum süchtig und verhaltensauffällig, sie zeigen mangelnde Konzentration, Ungeduld und zum Teil auch aggressives Verhalten.

Auch auf der vermeintlich kindersicheren Plattform YouTube Kids werden Videos von Cocomelon gezeigt und der Algorithmus der Kinderplattform kann beeinflusst werden. Hier werden zudem immer häufiger für Kinder nicht geeignete, KI-generierte Videos zum Problem.